Symbolgrafik zum Beitrag „Abziehertechnik S-Schwung“ aus dem Thema Fenster, Glas & Licht

Wer einem gelernten Glasreiniger an einer Schaufensterscheibe zusieht, bemerkt vor allem eines: Der Abzieher verlässt das Glas kaum. In einer fließenden, schlangenförmigen Bewegung wandert er von oben nach unten, das Wasser sammelt sich vor der Gummilippe und läuft am Ende in einer einzigen Bahn ab. Diese Bewegung heißt im Handwerk S-Schwung, manchmal auch „Fanning“.

Für den Hausgebrauch müssen Sie das nicht perfekt beherrschen. Aber wer ein paar Grundlagen verinnerlicht, bekommt große Glasflächen schneller und streifenfrei trocken. Dieser Beitrag erklärt beide Methoden – die einfache gerade Bahn und den Schwung – und zeigt, woran es meistens hapert.

Das Werkzeug: Schiene, Gummi, Griff

Ein Abzieher besteht aus drei Teilen. Der Griff hält die Schiene, in der Schiene sitzt das Gummi. Bei hochwertigen Modellen lässt sich der Griff drehen oder in einem festen Winkel arretieren. Für den S-Schwung ist ein drehbarer Griff hilfreich, aber nicht zwingend.

Das Gummi ist das eigentliche Arbeitsteil. Es muss eine scharfe, gerade Kante haben. Ist die Kante rund, eingerissen oder hat sie Kerben, bleiben Streifen zurück, egal wie gut die Technik ist.

Gummihärte Eigenschaft Einsatz
weich schmiegt sich an, gleitet leicht kalte Tage, Anfänger, leicht gewölbtes Glas
mittel Allrounder die meisten Fenster im Haushalt
hart exakte Kante, bleibt formstabil warme Tage, erfahrene Hände, große Flächen

Die Schienenbreite richtet sich nach dem Glas. Für Wohnungsfenster sind 30 bis 35 Zentimeter praktisch, für Sprossenfenster 20 bis 25, für Schaufenster 45 Zentimeter und mehr. Eine Schiene, die breiter ist als das Glasfeld, lässt sich nicht sauber führen.

Vorbereitung der Scheibe

Die beste Technik nützt nichts, wenn die Scheibe schlecht eingewaschen ist. Der Einwascher – ein Stab mit Mikrofaser- oder Baumwollbezug – verteilt das Wasser und löst den Schmutz. Er sollte gut getränkt, aber nicht tropfend sein. Wischen Sie die gesamte Fläche einmal gründlich, damit keine trockenen Inseln bleiben. Trockene Stellen bremsen das Gummi und verursachen Rattern.

Als Zusatz reichen wenige Tropfen Spülmittel auf einen Eimer. Das macht das Wasser gleitfähiger. Zu viel Spülmittel schäumt und hinterlässt einen Film.

Methode 1: Gerade Bahnen für den Einstieg

Diese Technik ist leicht zu lernen und für jedes Wohnungsfenster ausreichend.

  1. Kante freischneiden. Setzen Sie den Abzieher oben links an und ziehen Sie einen schmalen Streifen entlang des oberen Rahmens von links nach rechts. Damit entsteht eine trockene Startzone.
  2. Erste Bahn senkrecht. Setzen Sie das Gummi in der trockenen Zone oben links an, leicht schräg, sodass das Wasser nach rechts unten abgelenkt wird. Ziehen Sie gerade nach unten bis kurz vor den unteren Rahmen.
  3. Gummi abwischen. Ist eine Bahn fertig, wird das Gummi kurz an einem trockenen Tuch abgestreift.
  4. Überlappen. Die nächste Bahn überlappt die vorherige um etwa drei bis fünf Zentimeter. So entstehen keine Wasserstreifen zwischen den Bahnen.
  5. Unterkante trocknen. Am Ende steht unten am Rahmen noch eine schmale Wasserlinie. Diese saugt ein Leder oder ein trockenes Frotteetuch auf.

Methode 2: Der S-Schwung

Der Schwung spart Zeit, weil das Gummi die Scheibe nicht verlässt. Das Wasser wird wie eine Welle vor sich hergeschoben.

Der Einstieg

Beginnen Sie oben in einer Ecke.

Auch hier wird zuerst ein schmaler Streifen am oberen Rand freigezogen, bei Rechtshändern meist von links oben. Das Gummi liegt dabei mit der gesamten Kante flach am Glas an, der Winkel zur Scheibe beträgt etwa 30 bis 45 Grad.

Die Wende

Am rechten Rand drehen Sie den Abzieher, ohne abzusetzen, so dass die Gummikante nach unten und dann zurück nach links zeigt.

Die Schiene beschreibt eine enge Kurve. Das Wasser bleibt dabei immer vor dem Gummi, also auf der nassen Seite. Anschließend führen Sie die Schiene waagerecht zurück nach links, etwas tiefer als die erste Bahn.

Weiter nach unten

So geht es in liegenden S-Kurven Stück für Stück nach unten.

Jede Wende überlappt die vorherige Bahn leicht. Der Druck bleibt gleichmäßig, die Geschwindigkeit ruhig. Hektik erzeugt Wellen und Tropfen.

Der Abschluss

Unten angekommen ziehen Sie die letzte Bahn aus und setzen erst dann ab.

Die Unterkante und die Rahmenfugen trocknen Sie mit dem Leder.

Übungstipp für den Schwung

Üben Sie zuerst an einer großen, gut erreichbaren Glasfläche, etwa einer Terrassentür oder einer Duschwand ohne Kalk. Nehmen Sie reichlich Wasser, damit das Gummi gleitet. Nach zehn bis zwanzig Durchgängen stellt sich das Gefühl für die Wende von allein ein. Eine schmutzige Scheibe verzeiht dabei nichts – beginnen Sie mit einer sauberen.

Kanten und Ecken sauber bekommen

Der häufigste Makel nach dem Abziehen ist ein feiner Wasserrand an den Seiten. Er entsteht, weil das Gummi den Rahmen nicht ganz erreicht. Zwei Tricks helfen:

  • Schräg ansetzen. Neigen Sie die Schiene in der Ecke so, dass nur ein kleiner Teil des Gummis das Glas berührt, und ziehen Sie die Ecke aus.
  • Gummi einen Zentimeter überstehen lassen. Viele Profis schneiden das Gummi so zu, dass es seitlich minimal aus der Schiene ragt. So läuft es bis an den Rahmen heran.

Restwasser an den Kanten nehmen Sie mit einem trockenen, fusselfreien Tuch auf. Wer mit dem gleichen Tuch über die gesamte Scheibe reibt, verteilt dagegen feine Schlieren.

Diese Fehler verursachen Streifen
  • Abgenutztes oder eingerissenes Gummi weiter benutzen.
  • Nach jeder Bahn das Gummi nicht abwischen.
  • Zu wenig Wasser: Das Gummi springt und rattert.
  • Bei praller Sonne arbeiten: Die Scheibe trocknet vor dem Abziehen.
  • Zu viel Reinigungsmittel im Eimer: Es bleibt ein Film.
  • Mit dem Tuch nachpolieren, das schon feucht ist.

Pflege des Werkzeugs

Das Gummi sollte nach jedem Einsatz mit klarem Wasser abgespült und liegend oder hängend getrocknet werden. Nicht auf der Gummikante abstellen, sonst verformt sie sich. Zeigt die Kante Macken, kann man sie bei vielen Modellen in der Schiene umdrehen, weil beide Seiten als Arbeitskante taugen. Danach wird neues Gummi fällig. In gewerblichen Einsätzen wechseln wir es deutlich häufiger, als man denkt.

Aus der Praxis unserer Glasteams

In unseren Einsätzen an Schaufenstern und Glasfronten zeigt sich jeden Tag, dass nicht die Kraft, sondern der Winkel über das Ergebnis entscheidet. Neue Mitarbeitende üben bei Putzfirma Berlin zunächst die gerade Bahn, bis sie sicher überlappt, und steigen erst dann auf den Schwung um. Wichtiger als Tempo ist eine gleichmäßige Führung.

Bei Kälte nehmen unsere Teams weicheres Gummi, bei Hitze härteres. Und bei Glastüren mit Griffleisten arbeiten wir in Feldern: erst oberhalb des Griffs, dann unterhalb. Wie man Glastüren speziell gegen Fingerabdrücke pflegt, steht im Beitrag Glastüren ohne Fingerabdrücke. Für kleine Flächen wie Spiegel ist der Abzieher dagegen oft zu groß – dort genügt ein gutes Tuch, wie im Ratgeber Spiegel streifenfrei putzen beschrieben.

Wann Profis sinnvoll sind

Für Wohnungsfenster und Terrassentüren kommt man mit etwas Übung gut allein zurecht. Bei Altbauten mit Doppelflügeln hilft zusätzlich der Beitrag Kastenfenster im Altbau reinigen, weil dort kleine Felder und Sprossen andere Griffe verlangen. Bei großen Glasfronten im Erdgeschoss von Läden, Praxen oder Büros sieht die Sache anders aus: Hier fallen Streifen im Gegenlicht sofort auf, und der Zeitaufwand wächst mit jedem Quadratmeter. Eine regelmäßige Glasreinigung durch ein geübtes Team spart Arbeitszeit im Betrieb. Einzelhändler kombinieren das oft mit der laufenden Ladenreinigung, damit Scheiben und Verkaufsfläche im gleichen Rhythmus gepflegt werden. Für Wohnungen mit vielen Fensterflügeln lohnt sich eine gebuchte Fensterreinigung, und welche Tage sich überhaupt eignen, beschreibt der Ratgeber zum passenden Wetter fürs Fensterputzen.

Häufige Fragen

Welches Modell eignet sich für Anfänger?

Ein Modell mit 30 bis 35 Zentimeter Schiene, mittelhartem Gummi und festem Griff. Damit lassen sich die meisten Wohnungsfenster abziehen. Drehbare Griffe lohnen sich erst, wenn Sie den Schwung üben möchten.

Warum rattert das Gummi auf dem Glas?

Meist ist die Scheibe an dieser Stelle schon trocken oder das Gummi ist alt und verhärtet. Waschen Sie gleichmäßiger ein und prüfen Sie die Gummikante. Auch ein zu steiler Winkel kann Rattern verursachen.

Muss ich das Gummi wirklich nach jeder Bahn abwischen?

Bei geraden Bahnen ja. Das Gummi trägt sonst Schmutzwasser in die nächste Bahn. Beim S-Schwung wischen Sie erst am Ende ab, weil das Gummi die Scheibe nicht verlässt.

Wie oft muss ich das Gummi wechseln?

Im Haushalt hält ein gutes Gummi oft ein bis zwei Jahre, wenn es gepflegt wird. Sobald Streifen an immer der gleichen Stelle auftauchen, ist die Kante beschädigt. Drehen oder erneuern.

Geht der S-Schwung auch bei kleinen Fenstern?

Bei kleinen Feldern lohnt er sich kaum. Die Wende braucht Platz, und bei Sprossen stößt die Schiene ständig an. Dort sind gerade Bahnen oder ein Tuch die bessere Wahl.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.