Symbolgrafik zum Beitrag „Mikrofasersofa: Flecken entfernen“ aus dem Thema Teppich, Polster & Textil

Mikrofaser besteht aus extrem feinen Kunstfasern, meist Polyester, oft mit einem Anteil Polyamid. Die Fasern sind dünner als ein Seidenfaden und liegen dicht nebeneinander. Dadurch fühlt sich der Stoff weich an und nimmt Flüssigkeit zunächst gar nicht so schnell auf. Velours ist ein Oberbegriff für Stoffe mit kurzem, aufrecht stehendem Flor, das kann ebenfalls Kunstfaser sein, aber auch Baumwolle oder eine Mischung.

Beide Materialien haben dieselbe Schwäche: Sie zeigen Licht und Schatten. Je nachdem, in welche Richtung der Flor liegt, wirkt die Farbe heller oder dunkler. Wird eine Stelle nass und trocknet anders als die Umgebung, sieht man die Grenze deutlich, auch wenn der eigentliche Schmutz längst verschwunden ist.

Warum entstehen die hellen Ränder?

Wenn Wasser in einen Stoff läuft, nimmt es gelösten Schmutz, Kalk und Reste von Reinigungsmitteln mit. Beim Trocknen verdunstet es von innen nach außen, und alles, was gelöst war, wandert zum Rand der feuchten Fläche. Dort bleibt es liegen. Das Ergebnis ist ein Ring, der heller oder dunkler als die Umgebung wirkt.

Hinzu kommt der Flor. Die nassen Fasern legen sich anders als die trockenen. Trocknen sie in dieser Lage, bricht sich das Licht an der Grenze unterschiedlich. Beide Effekte zusammen erklären, warum ein bisschen Wasser auf einem sonst sauberen Polster schlimmer aussieht als der ursprüngliche Fleck.

Die Lösung ergibt sich daraus: so wenig Wasser wie möglich, möglichst kalkarm, keine scharfen Grenzen zwischen nass und trocken und am Ende den Flor gleichmäßig ausrichten.

Pflegeetikett lesen

Viele Hersteller, gerade bei Möbeln aus internationaler Produktion, kennzeichnen ihre Bezüge mit Buchstabencodes. Sie stehen meist auf einem Etikett unter dem Sitzkissen:

Code Bedeutung Geeignete Mittel
W wasserbasierte Reinigung erlaubt Wasser, milder Reiniger, Schaum
S nur lösungsmittelbasiert reinigen Isopropylalkohol, spezielle Polsterlösemittel
WS oder SW beides möglich je nach Fleck, Wasser zuerst testen
X nur absaugen oder abbürsten keine Flüssigkeit, im Zweifel Fachleute

Fehlt ein solcher Code, finden Sie Angaben manchmal in den Kaufunterlagen. Bei Mikrofaser mit dem Code S hat sich Isopropylalkohol bewährt, weil er schnell verdunstet und kaum Ränder hinterlässt. Arbeiten Sie dann gut belüftet und ohne offene Flamme in der Nähe.

Anleitung: randlos arbeiten

  1. Trocken vorarbeiten. Feste Reste mit einem Löffelrücken abheben, Krümel absaugen. Flüssiges mit einem saugfähigen Tuch aufnehmen, nicht reiben.
  2. Das richtige Wasser wählen. Destilliertes Wasser aus dem Baumarkt oder Supermarkt enthält keinen Kalk. Geben Sie, wenn nötig, einen Tropfen farbloses Spülmittel hinein.
  3. Test an verdeckter Stelle. Unter dem Sitzkissen oder an der Rückseite probieren, trocknen lassen, Ergebnis ansehen.
  4. Tuch nur anfeuchten. Ein weißes Mikrofasertuch oder einen hellen Schwamm leicht befeuchten, fest auswringen.
  5. Von außen nach innen tupfen. Den Fleck bearbeiten, dabei das Tuch häufig wenden.
  6. Übergänge auslaufen lassen. Mit dem nur noch nebelfeuchten Tuch eine größere Fläche um den Fleck herum leicht anfeuchten, am besten bis zur nächsten Naht. So gibt es keine scharfe Grenze.
  7. Trocknen und bürsten. Mit einem trockenen Tuch nachtupfen, dann trocknen lassen. Sobald der Stoff trocken ist, mit einer weichen Bürste gegen und dann mit dem Strich bürsten. Der Flor richtet sich auf und die Fläche wirkt wieder einheitlich.

Ein Föhn auf kalter Stufe kann das Trocknen beschleunigen. Halten Sie ihn in Bewegung und nicht zu nah, damit die Fläche gleichmäßig trocknet.

Ränder vorprogrammiert
  • Leitungswasser mit viel Kalk: hinterlässt beim Trocknen einen hellen Rand.
  • Nur den Fleck nass machen: die Grenze zwischen nass und trocken wird sichtbar.
  • Zu viel Reinigungsmittel: Reste verkleben die Fasern, die Stelle wird schneller wieder schmutzig.
  • Bunte Tücher oder Schwämme: können abfärben.
  • Hitze: Fasern können sich kräuseln, das Material glänzt dann speckig.

Kaffee, Fett, Kuli: typische Verschmutzungen

Kaffee und Tee: Sofort aufnehmen, dann mit destilliertem Wasser und etwas Spülmittel arbeiten. Gerbstoffe verhalten sich ähnlich wie bei Wein, die Anleitung zu Rotwein auf dem Teppich lässt sich in vielen Schritten übertragen.

Fett und Hautfett: An Armlehnen und Kopfbereich. Bei W-Code ein paar Tropfen Spülmittel, bei S-Code Isopropylalkohol auf ein Tuch geben und tupfen.

Kugelschreiber: Auf Kunstfaser meist mit Alkohol lösbar, immer tupfen, nicht reiben.

Kaugummi und Wachs: Erst hart werden lassen und abheben. Die Einzelheiten stehen in den Beiträgen zu Kaugummi und Kerzenwachs.

Haare von Hund und Katze: Feiner Flor hält sie besonders fest. Ein leicht angefeuchteter Gummihandschuh hilft, mehr dazu im Beitrag über Tierhaare auf Polster und Kleidung.

Vorbeugen: Schutz für den Flor

Die beste Fleckbehandlung ist die, die gar nicht erst nötig wird. Ein waschbarer Überwurf auf dem Lieblingsplatz, Untersetzer auf der Armlehne und eine feste Regel für Essen auf der Couch sparen viel Arbeit. Für neue Möbel bieten manche Händler eine Imprägnierung an, die Flüssigkeit eine Weile abperlen lässt. Sie ersetzt keine schnelle Reaktion, verschafft aber wertvolle Sekunden. Nach einer Nassreinigung lässt die Wirkung solcher Schutzschichten oft nach.

Regelmäßiges Absaugen mit der Polsterdüse gehört ebenfalls dazu. Feiner Staub legt sich zwischen die Fasern, macht die Farbe grau und wirkt beim nächsten Wasserkontakt wie Schmutz, der zum Rand wandert. Wer einmal in der Woche saugt, hat später deutlich weniger Probleme mit Rändern.

Auch Sonnenlicht spielt eine Rolle. Steht die Couch in einem hellen Südzimmer, bleichen die Fasern auf der Fensterseite aus. Ein Vorhang oder eine Decke in den Mittagsstunden verhindert, dass später jede Reinigung einen Farbunterschied sichtbar macht. Wer ohnehin eine Haushaltshilfe beschäftigt, kann das wöchentliche Absaugen der Polster in den festen Ablauf aufnehmen lassen.

Aus der Arbeit mit Polstermöbeln

Wenn wir zu einem Velourssofa gerufen werden, ist der ursprüngliche Fleck oft gar nicht mehr das Thema. Meist wurde bereits mit Wasser gearbeitet, und nun zieht sich ein Rand über das Sitzkissen. Solche Ränder lassen sich in vielen Fällen noch ausgleichen, indem man die gesamte Fläche von Naht zu Naht gleichmäßig reinigt und kontrolliert trocknet. Deshalb behandeln wir bei der Polsterreinigung nie nur den Fleck, sondern immer ein ganzes Feld.

Ein zweiter Tipp: Tauschen Sie Sitzkissen, wenn sie gleich gebaut sind, alle paar Wochen untereinander. So nutzt sich der Flor gleichmäßig ab, und ein einzelner Platz wirkt nicht bald dunkler als der Rest.

Wann Profis ranmüssen

Ein Fachbetrieb lohnt sich bei großen oder alten Flecken, bei X-Code, bei hochwertigen Bezügen, bei Gerüchen aus dem Polster oder wenn nach eigenen Versuchen deutliche Ränder bleiben. Wir prüfen vor Ort Material, Farbechtheit und Code, arbeiten mit wenig Feuchtigkeit und saugen das Wasser sofort wieder ab. Putzfirma Berlin kann die Reinigung auch mit der regelmäßigen Wohnungsreinigung verbinden. Riecht das Möbel zusätzlich, finden Sie im Beitrag über Gerüche aus der Couch weitere Hinweise.

Häufige Fragen

Warum destilliertes Wasser?

Leitungswasser enthält Kalk und andere Mineralien. Beim Trocknen bleiben sie am Rand der feuchten Stelle zurück und bilden einen sichtbaren Ring. Destilliertes Wasser verdunstet ohne Rückstände.

Dürfen die Bezüge in die Trommel?

Das entscheidet allein das Pflegeetikett des Herstellers. Viele Bezüge laufen ein oder verlieren ihre Form. Waschen Sie im Zweifel alle Bezüge gleichzeitig, sonst sehen einzelne Kissen anders aus als der Rest.

Kann man bestehende Ränder noch entfernen?

Oft ja. Die gesamte Fläche von Naht zu Naht wird gleichmäßig leicht befeuchtet, gereinigt und kontrolliert getrocknet. Danach wird der Flor ausgebürstet. Bei alten Rändern ist eine Fachreinigung meist erfolgreicher.

Wie bürste ich den Flor richtig?

Mit einer weichen Kleiderbürste oder einer speziellen Polsterbürste, erst gegen, dann mit dem Strich. Nur auf trockenem Stoff arbeiten, sonst verfilzen die Fasern.

Ist Isopropylalkohol für jeden Bezug geeignet?

Nein. Er eignet sich vor allem für synthetische Mikrofaser mit S-Code. Auf manchen Farben oder Beschichtungen kann er Spuren hinterlassen. Immer vorher an einer verdeckten Stelle testen.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.