
Eine Tierarztpraxis hat mit einer Humanarztpraxis mehr gemeinsam, als man denkt – und gleichzeitig ganz eigene Probleme. Auch hier gibt es Warteraum, Behandlungsraum, OP und Labor. Aber die Patienten verlieren Haare, markieren Stuhlbeine, erbrechen im Transportkorb und bringen Straßenschmutz auf vier Pfoten mit. Dazu kommen Erreger, die für andere Tiere gefährlich sind, und einige, die auch Menschen anstecken können.
Die gute Nachricht: Mit einer klaren Zonenaufteilung, den richtigen Mitteln und festen Routinen wird die Reinigung planbar. Die schlechte: Ein halbherziger Wischgang reicht hier noch weniger als anderswo, weil organische Verschmutzung jede Desinfektion ausbremst.
Was die Reinigung hier so anders macht
Haare in allen Mengen. Katzen- und Hundehaare setzen sich in Ecken, unter Heizkörpern, in Lüftungsgittern und auf jeder statisch geladenen Oberfläche fest. Werden sie nicht zuerst entfernt, verteilt der nasse Mopp sie nur zu grauen Schlieren.
Organische Verschmutzung. Urin, Kot, Erbrochenes, Blut und Speichel sind Alltag. Eiweißhaltige Rückstände binden Desinfektionswirkstoffe und schützen Keime. Erst reinigen, dann desinfizieren ist hier keine Empfehlung, sondern Voraussetzung.
Robuste Erreger. Einige in der Tiermedizin bedeutsame Viren – bekanntes Beispiel ist das Parvovirus bei Hunden und Katzen – haben keine Virushülle und sind in der Umwelt sehr widerstandsfähig. Gegen solche Erreger wirken längst nicht alle Flächendesinfektionsmittel. Welche Präparate die Praxis einsetzt, legt die Praxisleitung im Hygieneplan fest. Für den Veterinärbereich gibt es eine eigene fachliche Orientierung: Die DVG, also die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft, führt eine Liste geprüfter Präparate.
Zoonosen. Manche Erreger springen zwischen Tier und Mensch. Handschuhe, gute Händehygiene und das saubere Trennen von Tier- und Personalbereichen schützen deshalb auch das Team.
Gerüche. Tiere reagieren empfindlich auf Gerüche – auf Urinmarken anderer Tiere genauso wie auf stark parfümierte Reiniger. Beides kann Stress auslösen.
Die Praxis in Zonen denken
| Zone | Typische Belastung | Vorgehen | Rhythmus |
|---|---|---|---|
| Eingang und Warteraum | Straßenschmutz, Haare, Urinmarken | Haare aufnehmen, nass reinigen, Markierstellen gezielt behandeln | täglich, Markierungen sofort |
| Behandlungsraum | Haare, Speichel, Blut, Ohrensekret | Tisch und Waage nach jedem Tier laut Hygieneplan, Boden täglich | nach jedem Patienten / täglich |
| OP-Bereich | Blut, Sekrete | nach Hygieneplan, eigene Tücher und Mopps | nach jedem Eingriff / täglich |
| Stationsboxen und Käfige | Kot, Urin, Futterreste | ausräumen, reinigen, desinfizieren, trocknen | nach jedem Tier |
| Isolierbereich | infektiöse Patienten | eigene Utensilien, eigene Schutzkleidung, zuletzt bearbeiten | nach jedem Tier |
| Personalräume, Büro | Alltagsschmutz, Haare an Kleidung | Unterhaltsreinigung | täglich bis wöchentlich |
Die Reihenfolge folgt einer einfachen Regel: von rein nach unrein. Büro und Personalraum zuerst, dann Warteraum und Behandlung, zum Schluss Station und Isolierung. Für den Isolierbereich werden eigene Tücher, eigene Mopps und am besten ein eigener Eimer verwendet, die den Raum nicht verlassen.
Schritt für Schritt: der Behandlungstisch zwischen zwei Tieren
- Handschuhe wechseln, grobe Haare mit einem feuchten Einmaltuch oder Gummiabzieher aufnehmen.
- Sichtbare Verschmutzungen mit Reinigungslösung entfernen, Tuch verwerfen.
- Tischplatte, Kanten und die Stellen, an denen Halter das Tier festhalten, mit dem vorgesehenen Präparat nass wischen.
- Waagenplatte nicht vergessen – sie wird von fast jedem Tier betreten.
- Einwirkzeit abwarten bzw. Fläche sichtbar trocknen lassen, wie der Hygieneplan es vorgibt.
- Handschuhe ausziehen, Hände desinfizieren, nächstes Tier aufrufen.
Die gründliche Endreinigung am Abend schließt Tischgestell, Schränke mit Griffen, Türen, Lichtschalter und Böden ein.
Haare zuerst: die richtige Technik
Haare gehören trocken aufgenommen, bevor Wasser ins Spiel kommt. Bewährt haben sich:
- Staubsauger mit guter Filterstufe und Turbobürste für Polster und Transportkorb-Ablageflächen
- elektrostatische Staubwischtücher für Hartböden
- Gummibesen oder Gummiabzieher für Ecken und Fliesenfugen
- ein fusselfreier, leicht feuchter Handschuh für Stuhlflächen
Lüftungsgitter und Heizkörper im Warteraum sollten mindestens monatlich entstaubt werden, sonst wirbelt die warme Luft die Haare immer wieder auf. Mehr Tricks – auch für Textilien – stehen im Beitrag Tierhaare von Polster, Teppich und Kleidung entfernen.
Urin und Gerüche richtig behandeln
Urin ist das häufigste Geruchsproblem. Er zieht in Fugen, Sockelleisten, poröse Böden und Stuhlfüße ein. Normale Reiniger entfernen den sichtbaren Fleck, aber nicht die Harnbestandteile, die weiter riechen und andere Tiere zum erneuten Markieren animieren.
Wirksam ist folgendes Vorgehen: Flüssigkeit aufnehmen, mit klarem Wasser nachwischen und anschließend einen enzymatischen Reiniger auftragen, der organische Rückstände abbaut. Er braucht Zeit und darf nicht sofort wieder abgewischt werden. Wo desinfiziert werden muss, erfolgt das nach der Reinigung – nicht gleichzeitig, denn manche Desinfektionsmittel können Enzymprodukte unwirksam machen. Die Reihenfolge ist deshalb mit dem Hygieneplan abzustimmen.
Duftstoffe überdecken nur. Viele Tiere reagieren auf starke Parfüms unruhig, und für manche Tiere sind bestimmte Inhaltsstoffe sogar problematisch. Welche Reiniger für Hunde, Katzen und Vögel riskant sind, erklärt der Beitrag Welche Reiniger für Haustiere gefährlich sind.
- Nass wischen, bevor die Haare aufgenommen sind – das Ergebnis sind graue Schlieren.
- Desinfektionsmittel auf ungereinigten, verschmutzten Flächen.
- Ein Mopp für Warteraum, Station und Isolierung.
- Parfümierte Reiniger, die Tiere stressen und Urin nur überdecken.
- Transportkörbe auf Stühlen abstellen lassen, die danach Menschen nutzen.
- Stationsboxen nass wieder belegen, statt sie trocknen zu lassen.
Böden: robust, fugenarm, rutschhemmend
Für Tierarztpraxen eignen sich fugenarme, dichte Beläge wie Kautschuk, Vinyl oder beschichtete Böden mit Hohlkehle am Wandanschluss. Fliesen mit breiten, offenporigen Fugen nehmen Urin und Gerüche auf. Die Rutschhemmung ist wichtig – für Tiere, die auf glattem Boden in Panik geraten, und für das Team. Eine regelmäßige maschinelle Bodenreinigung entfernt Rückstände und Pflegefilme, die sich im Alltag aufbauen und Gerüche binden.
Tipps aus der Praxis einer Reinigungsfirma
Bei Tierpraxen, die wir betreuen, zahlt sich eine gute Kommunikation mit dem Praxisteam besonders aus. Ein kurzer Zettel am Abend „Box 3 Isolierung“ oder „Durchfall im Warteraum links“ spart Zeit und verhindert, dass ein Bereich versehentlich mit normalen Utensilien bearbeitet wird.
- Einen Vorrat an Einmalunterlagen am Empfang bereithalten, damit Halter Transportkörbe darauf abstellen.
- Farbcodierte Tücher und Mopps pro Zone, gut sichtbar beschriftet.
- Hocker und Stühle mit glatten Oberflächen statt Polster im Warteraum.
- Getrennte Warteplätze für Hunde und Katzen reduzieren Stress und damit auch Unfälle mit Urin oder Erbrochenem.
- Feste Zeiten zum Lüften, möglichst quer durch die Praxis.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Die Zwischenreinigung am Behandlungstisch bleibt beim tiermedizinischen Team. Böden, Warteraum, Sanitärräume, Personalbereiche und die gründliche Endreinigung kann eine Fachfirma übernehmen – nach Ihrem Hygieneplan und außerhalb der Sprechzeiten. Putzfirma Berlin passt dafür die Abläufe der Praxisreinigung auf die Besonderheiten einer Tierpraxis an. Nach einem Fall mit hochansteckenden Erregern oder vor der Wiederbelegung eines Stationsbereichs kann eine abgestimmte Desinfektionsreinigung sinnvoll sein. Wir sind in ganz Berlin im Einsatz, zum Beispiel in Steglitz-Zehlendorf oder Spandau.
Häufige Fragen
Reicht ein normales Flächendesinfektionsmittel in einer Tierpraxis?
Nicht immer. Einige tierrelevante Viren haben keine Hülle und sind sehr widerstandsfähig; dafür braucht es Präparate mit entsprechend geprüfter Wirksamkeit. Welches Mittel eingesetzt wird, bestimmt die Praxisleitung in ihrem Hygieneplan, oft mit Blick auf die DVG-Liste.
Wie bekomme ich Uringeruch dauerhaft aus dem Warteraum?
Urin aufnehmen, mit Wasser nachwischen und dann einen enzymatischen Reiniger einwirken lassen. In offenporige Fugen oder Sockelleisten eingezogener Urin lässt sich oft nur durch Grundreinigung oder Erneuern der Fugen beseitigen. Duftsprays helfen nicht.
Wie oft müssen Stationsboxen gereinigt werden?
Nach jedem Tier gründlich: ausräumen, reinigen, desinfizieren laut Hygieneplan und trocknen lassen. Während des Aufenthalts werden Kot und Urin zeitnah entfernt und die Einstreu oder Unterlage gewechselt.
Sollte der Isolierbereich von derselben Person gereinigt werden?
Er kann von derselben Person gereinigt werden, aber zuletzt und mit eigenen Utensilien und eigener Schutzkleidung. Tücher, Mopps und Eimer aus der Isolierung verlassen den Bereich nur zur Aufbereitung oder Entsorgung.
Welche Reiniger sind für Tiere unbedenklich?
Unparfümierte, gut abspülbare Reiniger sind im Alltag die sichere Wahl. Flächen, auf denen Tiere liegen oder die sie ablecken könnten, werden nach Reinigung und Einwirkzeit gegebenenfalls mit klarem Wasser nachgewischt, sofern das Präparat das zulässt.
Über diesen Beitrag
Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.




