Symbolgrafik zum Beitrag „Wischdesinfektion Behandlungsraum“ aus dem Thema Gesundheit & Hygiene

Der nächste Patient sitzt schon im Flur, die Liege ist noch warm vom vorherigen. Jetzt entscheidet sich, ob die Hygiene in Ihrer Praxis funktioniert. Die Wischdesinfektion zwischen zwei Behandlungen ist keine große Sache – wenn sie sitzt. Sie ist aber auch schnell nur noch ein Ritual: einmal mit dem Tuch über die Liege, fertig. Damit das nicht passiert, lohnt ein genauer Blick auf das, was dabei tatsächlich wirkt.

Warum gewischt und nicht gesprüht wird

Beim Wischen passiert zweierlei: Das Tuch entfernt Schmutz und einen Teil der Mikroorganismen mechanisch, und das Präparat benetzt die Fläche vollständig. Beim Sprühen dagegen bleiben Lücken, Tröpfchen gehen in die Raumluft und werden eingeatmet. Die Empfehlungen der KRINKO beim Robert Koch-Institut sehen deshalb das Wischverfahren als Regelfall vor. Sprühen ist nur dort sinnvoll, wo man mit dem Tuch nicht hinkommt – und selbst dann wird besser das Tuch besprüht als die Fläche.

Welche Flächen zwischen zwei Terminen dran sind

Nicht der ganze Raum muss nach jedem Patienten desinfiziert werden. Im Fokus stehen die patientennahen Flächen, also alles, was der Patient oder das Personal während der Behandlung direkt berührt hat:

  • Liegefläche, Kopfteil und Seitenkanten der Untersuchungsliege
  • Armauflagen, Griffe und Bedienelemente von Stühlen
  • Ablageflächen direkt neben dem Behandlungsplatz
  • Geräte mit Hautkontakt, etwa Blutdruckmanschette, Stethoskop-Membran oder Ultraschallkopf – nach Herstellerangaben
  • Tastaturen und Mäuse, die mit Handschuhen bedient werden

Patientenferne Flächen – Boden, Schränke, Fensterbänke – werden in der Regel am Ende des Tages gereinigt oder desinfiziert, wie es Ihr Hygieneplan vorgibt. Sichtbare Kontamination mit Blut, Sekreten oder Ausscheidungen wird immer sofort und gezielt beseitigt, egal wo.

Die Aufbereitung von Medizinprodukten wie Instrumenten, Sonden oder Endoskopen ist ein eigenes Thema mit eigenen Regeln. Sie gehört zu Ihrem Fachpersonal und nicht zur Flächenhygiene.

Das Präparat: was auf dem Etikett stehen muss

Nicht jedes Mittel mit „Desinfektion“ auf der Flasche passt für jede Situation. Achten Sie auf drei Punkte:

Wirkungsspektrum. Auf dem Etikett finden Sie Begriffe wie bakterizid (Bakterien), levurozid (Hefepilze), „begrenzt viruzid“ (nur behüllte Viren, etwa Influenza), „begrenzt viruzid PLUS“ und „viruzid“ (schließt auch unbehüllte Viren wie Noroviren ein). Welches Spektrum gebraucht wird, legt Ihr Hygieneplan fest.

Gelistete Wirksamkeit. Viele Praxen wählen ihr Präparat aus der sogenannten VAH-Liste; hinter der Abkürzung steht der Verbund für Angewandte Hygiene. Dort stehen Präparate mit geprüfter Wirksamkeit, jeweils mit Konzentration und Einwirkzeit.

Konzentration und Einwirkzeit. Beides gehört zusammen. Eine niedrigere Konzentration braucht in der Regel eine längere Einwirkzeit. Für den schnellen Wechsel zwischen Patienten wählen viele Praxen gebrauchsfertige Präparate oder Tuchsysteme mit kurzer Einwirkzeit.

Der Ablauf in acht Schritten

  1. Hände desinfizieren, frische Handschuhe anziehen. Mit Handschuhen vom letzten Patienten wird nichts gewischt.
  2. Grobe Verunreinigungen zuerst entfernen. Mit einem getränkten Tuch aufnehmen und verwerfen. Desinfektionsmittel wirkt auf Schmutzschichten schlechter.
  3. Liegenpapier abziehen und entsorgen, ohne es über andere Flächen zu schleifen.
  4. Mit einem frischen, gut getränkten Tuch wischen: von sauber nach schmutzig, von oben nach unten, in überlappenden Bahnen, nicht kreisend.
  5. Kanten und Griffe nicht vergessen. Die Stellen, an denen man die Liege anfasst, sind oft stärker belastet als die Liegefläche.
  6. Die Fläche muss nass sein, nicht nur feucht. Wird ein Tuch trocken, ein neues nehmen.
  7. Nicht trockenreiben. Das Präparat bleibt auf der Fläche, bis es von selbst abgetrocknet ist.
  8. Handschuhe ausziehen, Hände desinfizieren, dann neues Liegenpapier auflegen.

Zur Frage, wann die Fläche wieder benutzt werden darf: Bei der routinemäßigen Desinfektion wird eine Fläche nach verbreiteter Praxis wieder genutzt, sobald sie sichtbar abgetrocknet ist. Nach gezielter Desinfektion, etwa bei Kontamination, gilt die volle Einwirkzeit laut Herstellerangabe. Im Zweifel entscheidet Ihr Hygieneplan.

Tücher, Eimer und Standzeiten

Tuchsystem Vorteile Worauf achten
Fertig getränkte Einzeltücher (Dose oder Flowpack) schnell, dosiersicher Deckel immer schließen, sonst trocknen die Tücher aus
Spendereimer mit Vliesrolle, selbst befüllt günstiger, flexibel Befülldatum notieren, Standzeit laut Hersteller einhalten, Eimer vor Neubefüllung aufbereiten
Mehrweg-Mikrofasertücher mit Gebrauchslösung gute Mechanik, nachhaltig nach jedem Einsatz in die Wäsche, desinfizierend waschen, keine Tücher „zwischenlagern“
Trockene Papiertücher plus Sprühflasche nur als Notlösung Sprühnebel vermeiden, lieber aufs Tuch sprühen

Ein häufig unterschätzter Punkt ist die Standzeit. Ein angesetzter Tuchspendereimer hält nicht unbegrenzt. Wird er zu lange genutzt oder mit alter Lösung „aufgefüllt“, kann er selbst zur Keimquelle werden. Schreiben Sie deshalb das Ansatzdatum auf den Eimer und halten Sie die vom Hersteller angegebene Standzeit ein.

Fehler, die die Wirkung aufheben
  • Mit einem Tuch mehrere Liegen oder Räume hintereinander wischen.
  • Das Präparat „nach Gefühl“ dosieren oder Konzentrat mit warmem Wasser „verstärken“.
  • Reinigungsmittel und Desinfektionsmittel mischen – das kann die Wirkung aufheben und reizende Dämpfe erzeugen.
  • Nach dem Wischen mit einem trockenen Tuch nachpolieren.
  • Tuchspendereimer offen stehen lassen oder über die Standzeit hinaus nutzen.
  • Handschuhe beim Wischen tragen und damit anschließend Türgriff und Tastatur anfassen.

Material: nicht jede Fläche verträgt jedes Mittel

Kunstlederbezüge von Liegen sind heute meist desinfektionsmittelbeständig, aber nicht gegen jeden Wirkstoff. Alkoholische Präparate trocknen manche Bezüge auf Dauer aus, sie werden rissig. Risse sind nicht mehr hygienisch aufzubereiten und müssen getauscht werden. Auch Displays, Acrylglas und manche Kunststoffe reagieren empfindlich. Fragen Sie beim Kauf von Liegen und Geräten nach einer Liste freigegebener Präparate. Mehr dazu im Beitrag welche Oberflächen Desinfektionsmittel nicht vertragen.

Ein Wort zum Raum selbst: Je weniger offen herumsteht, desto schneller und gründlicher geht die Desinfektion. Verbrauchsmaterial gehört in geschlossene Schubladen, nicht als Stapel auf die Arbeitsfläche. Kartons, Kabelsalat und Deko-Objekte neben der Liege verlängern jeden Wischgang und werden erfahrungsgemäß ausgelassen. Wer ein Bild vom gesamten Weg des Patienten durch die Praxis haben möchte, findet im Beitrag über Hygiene im Warteraum die Flächen, die vor dem Behandlungsraum liegen. Und in der Erkältungszeit ändern sich die Schwerpunkte noch einmal – dazu mehr unter welche Flächen in der Grippesaison öfter dran sind.

Warum die Einwirkzeit so wichtig ist, gilt übrigens nicht nur für Desinfektionsmittel. Wir haben das Thema ausführlich im Beitrag Einwirkzeit: die unterschätzte Zutat jeder Reinigung beschrieben.

Profi-Tipps aus der Praxisreinigung

In unseren Einsätzen fällt uns immer wieder auf, dass die Zwischendesinfektion tagsüber gut klappt, die Flächen am Abend aber vernachlässigt werden, weil man sich auf „ist ja eh desinfiziert“ verlässt. Dabei sammeln sich an Liegenfüßen, Rollen und Unterseiten Staub und eingetrocknete Rückstände. Diese Flächen gehören in die tägliche Endreinigung.

Weitere Beobachtungen:

  • Laminierte Wischpläne direkt am Behandlungsplatz helfen neuen Mitarbeitenden und Aushilfen enorm.
  • Tuchspender auf Griffhöhe statt im Schrank: Was griffbereit steht, wird benutzt.
  • Rückstände von Präparaten machen Oberflächen nach einigen Wochen stumpf und leicht klebrig. Eine regelmäßige Reinigung mit Wasser und mildem Reiniger – zusätzlich zur Desinfektion – hält Flächen angenehm.
  • Farbige Aufkleber für „in Arbeit“ auf der Liege verhindern, dass ein Patient sich auf eine noch nasse Fläche setzt.

Wo professionelle Unterstützung sinnvoll ist

Die Desinfektion zwischen zwei Patienten bleibt in der Hand Ihres Praxisteams – dafür braucht es Sekunden, nicht Fachfirmen. Für die gründliche Endreinigung nach Sprechstundenende, die Böden und die patientenfernen Flächen lohnt sich dagegen eine eingespielte Praxisreinigung. Zahnmedizin bringt mit Behandlungseinheit, Speifontäne und Absaugung noch eigene Aufgaben mit; dafür gibt es unsere spezialisierte Zahnarztpraxis-Reinigung.

Nach einem Ausbruch, etwa mit Noroviren, oder wenn ein Raum nach Umbau wieder in Betrieb geht, stimmen wir eine Desinfektionsreinigung mit dem Präparat und Wirkungsspektrum ab, das Ihr Hygieneplan vorsieht. Putzfirma Berlin dokumentiert dabei jeden bearbeiteten Raum.

Kurz beantwortet

Reicht es, die Liege nur mit Liegenpapier abzudecken?

Nein. Papier schützt die Fläche vor grober Verschmutzung, aber es verrutscht, reißt und wird an den Rändern berührt. Die Liegefläche und vor allem die Kanten und Griffe werden trotzdem zwischen den Patienten desinfizierend gewischt, wie es Ihr Hygieneplan vorsieht.

Wie lange muss ich nach dem Wischen warten?

Bei der Routinedesinfektion kann die Fläche meist wieder benutzt werden, wenn sie sichtbar trocken ist. Nach einer Kontamination mit Blut oder Sekreten gilt die volle Einwirkzeit des Präparats. Die genauen Werte stehen auf dem Etikett und in der VAH-Liste.

Kann ich Desinfektionstücher mehrmals verwenden?

Nein. Ein Tuch wird für eine Fläche oder einen Behandlungsplatz genutzt und dann entsorgt. Mehrfach verwendete Tücher verteilen Keime und trocknen zudem aus, sodass die Fläche nicht mehr ausreichend benetzt wird.

Wofür steht „begrenzt viruzid“ auf dem Etikett?

So gekennzeichnete Präparate erfassen Viren mit Lipidhülle, darunter Grippe- und Coronaviren. Hüllenlose Erreger wie Noro- oder Adenoviren sind damit nicht abgedeckt; dafür braucht es ein als viruzid ausgewiesenes Mittel. Welche Stufe in Ihrer Praxis nötig ist, legt der Hygieneplan fest.

Darf eine Reinigungsfirma die Zwischendesinfektion übernehmen?

Grundsätzlich ist das möglich, praktisch aber selten sinnvoll, weil sie im Takt der Patienten stattfindet. Üblich ist, dass das Praxisteam zwischen den Terminen wischt und die Reinigungsfirma die Endreinigung und die übrigen Flächen übernimmt.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.