Symbolgrafik zum Beitrag „Physio- und Osteopathiepraxis“ aus dem Thema Gesundheit & Hygiene

Eine physiotherapeutische oder osteopathische Praxis ist etwas anderes als eine Hausarztpraxis. Hier liegen Patienten eine halbe Stunde oder länger mit viel Hautkontakt auf der Liege. Es wird geschwitzt, massiert, geölt, trainiert. Im Gerätebereich greifen Dutzende Hände täglich an dieselben Griffe. Und in vielen Praxen gibt es Umkleiden, manchmal auch eine Dusche oder einen Bewegungsbad-Bereich.

Das Infektionsrisiko ist im Vergleich zu einer Arztpraxis meist geringer, weil weniger akut kranke Menschen kommen. Dafür fallen andere Dinge ins Gewicht: Hautschuppen, Schweiß, Öl- und Cremereste, Gerüche und Fußpilzerreger in Barfußzonen. Eine gute Reinigung zielt deshalb genauso auf Wohlgefühl und Materialschutz wie auf Keimreduktion.

Die Liege als Zentrum der Behandlung

Therapieliegen haben meist Bezüge aus Kunstleder. Sie sind robust, aber empfindlich gegen zwei Dinge: Öl und zu scharfe Mittel. Massageöl zieht mit der Zeit in Nähte und Poren ein, der Bezug wird klebrig, dann hart, dann rissig. Alkoholische Desinfektionsmittel beschleunigen das Austrocknen.

Bewährt hat sich diese Abfolge:

  1. Einmalauflage oder eigenes Handtuch pro Patient. Das ist der wichtigste Schutz. Die Auflage deckt Liegefläche und Kopfteil ab, auch das Gesichtsloch.
  2. Nach jedem Patienten die berührten Flächen wischen: Kopfteil, Gesichtsloch-Polster, Armstützen, Kanten, Bedienhebel oder Fußschalter. Ob gereinigt oder desinfiziert wird, legt Ihr Hygieneplan fest. Viele Praxen desinfizieren patientennahe Flächen routinemäßig zwischen den Behandlungen.
  3. Am Tagesende die komplette Liege mit einem milden, rückfettenden Kunstlederreiniger säubern und mit klarem Wasser nachwischen. So lösen sich Ölreste, bevor sie verharzen.
  4. Einmal pro Woche Unterseite, Gestell, Rollen und Hubmechanik vom Staub befreien. Hier sammeln sich Haare und Flusen.

Bei Liegen mit Gesichtsöffnung lohnt ein eigener Blick: Das Polster um die Öffnung hat direkten Kontakt mit Gesicht, Atemluft und manchmal Speichel. Viele Therapeuten verwenden dafür spezielle Einmalbezüge.

Handtücher, Laken und Kissenbezüge

Textilien sind in Therapiepraxen ein eigener Arbeitsbereich. Ein Handtuch, das auf der Liege lag, gilt als benutzt – auch wenn es sauber aussieht. Es kommt nach dem Patienten in den Wäschesack.

Gewaschen wird bei ausreichend hoher Temperatur, in der Praxis meist bei 60 °C mit einem Vollwaschmittel, oder mit einem geprüften desinfizierenden Waschverfahren, wenn Ihr Hygieneplan das verlangt. Wichtig: Die Maschine nicht überladen, damit das Waschmittel überall ankommt. Saubere Wäsche lagert geschlossen, getrennt von der Schmutzwäsche und nicht in Behandlungsräumen, in denen gearbeitet wird. Wer die Wäsche extern vergibt, sollte mit der Wäscherei die Übergabe von Sauber- und Schmutzwäsche klar regeln.

Auch Wäschesäcke brauchen Aufmerksamkeit: Sie sollten verschließbar sein, nicht auf dem Boden des Behandlungsraums stehen und nicht bis zum Rand gefüllt werden, damit niemand nachstopfen muss. Stoffsäcke werden mitgewaschen, Gestelle regelmäßig abgewischt.

Nackenrollen und Lagerungskissen haben entweder abnehmbare, waschbare Bezüge oder einen abwischbaren Kunstlederbezug. Schaumstoffkissen ohne Schutz saugen Schweiß auf und sind nicht aufzubereiten.

Trainingsbereich: Hanteln, Bänder, Matten, Bälle

Im Gerätebereich verhält es sich ähnlich wie in einem kleinen Fitnessstudio. Die Griffe von Zugapparaten, Kurzhanteln, Theraband-Enden und die Auflagen von Bänken werden von vielen Menschen mit schwitzigen Händen angefasst. Details zum Thema haben wir im Beitrag Fitnessgeräte desinfizieren zusammengestellt.

Gegenstand Reinigung Rhythmus
Hanteln, Griffe, Zugseil-Griffe feucht wischen; Desinfektion laut Hygieneplan nach jeder Nutzung oder mindestens täglich
Gymnastikmatten beidseitig wischen, trocknen lassen, nicht gerollt lagern, solange feucht nach jedem Patienten
Pezzibälle, Balance-Kissen mildes Reinigungsmittel, keine Lösungsmittel täglich
Therabänder patientenbezogen oder als Einmalartikel ausgeben –
Laufband, Ergometer Griffe, Display, Sattel wischen; Lauffläche absaugen täglich
Fango- und Wärmepackungen nach Herstellerangabe; Fango regelmäßig erneuern laut Gerätebuch
Ultraschall- und Elektrotherapiegeräte Schallkopf und Elektroden nach Herstellerangabe nach jedem Patienten

Therabänder und kleine Hilfsmittel, die schwer zu reinigen sind, geben viele Praxen dem Patienten mit nach Hause oder nutzen sie nur für eine Person. Das spart Diskussionen um die Aufbereitung.

Umkleiden, Dusche und Barfußzonen

Wo Patienten barfuß laufen, finden Fußpilze gute Bedingungen – vor allem in feuchten Ecken und auf Holzrosten. Umkleiden und Duschen brauchen deshalb täglich eine gründliche Nassreinigung mit anschließender Trocknung. Bodenabläufe, Silikonfugen und Duschvorhänge sind die typischen Schwachstellen. Was bei Nassbereichen noch zu beachten ist, beschreibt der Beitrag Umkleiden und Nassbereiche: Fußpilz vorbeugen.

Wird eine Dusche nur selten genutzt, sollte sie regelmäßig durchgespült werden, damit das Wasser in der Leitung nicht lange steht. Hintergründe dazu im Beitrag Legionellen: warum selten genutzte Duschen ein Risiko sind.

Was in Therapiepraxen oft schiefläuft
  • Massageöl bleibt über Nacht auf der Liege und verharzt im Bezug.
  • Ein Handtuch wird „nur kurz“ für den nächsten Patienten weiterverwendet.
  • Gymnastikmatten werden feucht gerollt und entwickeln Gerüche.
  • Pezzibälle werden mit Alkohol gereinigt – das Material wird spröde.
  • Die Liegenhydraulik wird nass gewischt, Wasser läuft in die Mechanik.
  • Saubere Handtücher liegen offen im Behandlungsraum neben dem Wäschesack.

Böden in Behandlungs- und Trainingsräumen

In vielen Praxen liegen Kautschuk, Linoleum oder Vinyl, im Trainingsbereich manchmal Sportboden. Öltröpfchen und Cremereste machen solche Böden rutschig. Deshalb gehört die Reinigung rund um die Liegen täglich dazu, mit einem Reiniger, der Fett löst, aber keine schmierigen Rückstände bildet. Wie elastische Beläge richtig gepflegt werden, erklärt unser Beitrag zum Kautschukboden in Praxis und Schule. Eine regelmäßige maschinelle Bodenreinigung entfernt Beläge, die mit dem Wischmopp nicht mehr herausgehen.

Profi-Tipps aus Berliner Therapiepraxen

Ein Blick auf die Pausen lohnt ebenfalls. Viele Praxen legen zwischen zwei Terminen nur fünf Minuten, in denen dokumentiert, gelüftet und die Liege vorbereitet werden soll. Wenn die Reinigung dabei regelmäßig hinten runterfällt, ist das ein Planungsproblem, kein Disziplinproblem. Ein oder zwei Minuten mehr Puffer im Terminkalender wirken oft mehr als jede neue Anweisung im Hygieneordner.

In unseren Einsätzen, etwa in Praxen in Altbauetagen von Friedrichshain-Kreuzberg, hat sich gezeigt: Die größte Zeitersparnis bringt eine gute Grundordnung. Wenn Matten an Haken hängen, Bälle in einem Netz liegen und Hanteln im Ständer stehen, ist der Boden in einem Viertel der Zeit sauber.

  • Ölflaschen mit Pumpspender statt offener Flaschen reduzieren Tropfen auf Liege und Boden.
  • Ein Korb mit Reinigungstüchern an jeder Liege: Der Therapeut wischt, während der Patient sich anzieht.
  • Wöchentliche Kontrolle der Bezüge auf Risse. Ein kleiner Riss ist das Ende eines hygienisch einwandfreien Bezugs; rechtzeitig neu beziehen lassen.
  • Ventilatoren und Heizlüfter in den Behandlungsräumen regelmäßig entstauben; sonst verteilen sie Staub auf frisch gereinigte Flächen.

Wann eine Reinigungsfirma entlastet

Die Zwischenreinigung am Behandlungsplatz bleibt beim Therapeuten. Alles andere – Böden, Umkleiden, Sanitärräume, Empfang, Geräte am Abend – kann ein festes Team übernehmen. Unsere Praxisreinigung richtet sich nach Ihrem Hygieneplan und nach Ihren Öffnungszeiten, auch früh morgens oder spät abends. Für Praxen mit großem Trainingsbereich kombinieren wir die Leistung mit Arbeitsschritten aus der Fitnessstudioreinigung. Putzfirma Berlin bringt Mittel und Geräte mit und stimmt Reinigungsmittel auf Ihre Liegenbezüge ab.

Häufige Fragen

Muss die Therapieliege nach jedem Patienten desinfiziert werden?

Das hängt von Ihrem Hygieneplan ab. Viele Praxen desinfizieren die patientennahen Flächen routinemäßig zwischen den Behandlungen, besonders Kopfteil und Griffe. In jedem Fall gehört eine frische Auflage oder ein eigenes Handtuch für jeden Patienten dazu.

Bei welcher Temperatur sollten Praxishandtücher gewaschen werden?

In Therapiepraxen üblich sind 60 °C mit einem Vollwaschmittel. Verlangt Ihr Hygieneplan eine desinfizierende Aufbereitung, kommt ein geprüftes desinfizierendes Waschverfahren infrage. Wichtig sind außerdem eine nicht überladene Trommel und eine getrennte Lagerung von sauberer und benutzter Wäsche.

Wie bekomme ich Massageöl aus dem Kunstlederbezug?

Möglichst am selben Tag mit einem milden, fettlösenden Kunstlederreiniger abwischen und mit klarem Wasser nachwischen. Eingezogenes Öl lässt sich später kaum noch entfernen. Scharfe Lösungsmittel und Scheuermilch schaden dem Bezug.

Wie oft müssen Gymnastikmatten gereinigt werden?

Idealerweise nach jedem Patienten, zumindest auf der Liegeseite. Danach die Matten flach oder hängend trocknen lassen und erst dann rollen. Matten mit Rissen oder aufgequollenem Schaum sollten ersetzt werden.

Kann die Reinigung während der Behandlungszeiten stattfinden?

Für Empfang, Flur und Sanitärräume ist das möglich, wenn das Team leise arbeitet. Behandlungsräume reinigen wir am besten vor oder nach den Terminen, damit Patienten ungestört bleiben und Böden trocknen können.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.