Symbolgrafik zum Beitrag „Hygiene im Wartezimmer“ aus dem Thema Gesundheit & Hygiene

Wer in einer Praxis wartet, hat Zeit. Zeit, sich umzusehen. Der Blick fällt auf den Staubrand an der Fußleiste, den Kaffeefleck auf dem Beistelltisch, die klebrige Armlehne. Kein Patient kann beurteilen, wie gut Ihre Instrumente aufbereitet werden. Den Zustand des Warteraums aber beurteilt jeder – und schließt daraus auf den Rest der Praxis. Das ist nicht fair, aber es ist so.

Gleichzeitig ist der Warteraum ein Ort, an dem sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Beschwerden eine Weile Stuhl, Luft und Türgriff teilen. Sauberkeit hat hier also zwei Seiten: die sichtbare, die Vertrauen schafft, und die unsichtbare, die Übertragungswege klein hält. Beides lässt sich mit einem klaren Plan gut in den Griff bekommen.

Wo sich Keime tatsächlich sammeln

Die meisten Erreger gelangen im Wartebereich über Hände auf Flächen und von dort wieder auf Hände. Entscheidend ist deshalb nicht, wie groß eine Fläche ist, sondern wie oft sie berührt wird. Ein Fußboden ist groß, wird aber kaum mit den Händen berührt. Ein Türdrücker ist winzig und wird von jedem Besucher angefasst.

Typische Handkontaktpunkte im Warteraum:

  • Türdrücker, Türkanten und Schiebetürgriffe
  • Armlehnen und Sitzkanten der Stühle
  • Garderobenhaken und Schirmständer
  • Lichtschalter, Fensterhebel
  • Wasserspender, Becherhalter, Tischplatten
  • Spielzeug, Bücher, Klemmbretter für Anamnesebögen
  • Kugelschreiber, die am Empfang ausliegen

Dazu kommt der Boden als Schmutzfänger: Straßenschmutz, Rollsplitt im Winter, feuchte Schirme, Sand aus Kinderschuhen. Er ist vor allem für den optischen Eindruck und die Rutschsicherheit wichtig.

Reinigen oder desinfizieren – wer das festlegt

Für die meisten Flächen im Wartebereich genügt eine gründliche Reinigung. Eine routinemäßige Desinfektion ist hier in der Regel nicht vorgesehen, es sei denn, Ihr Hygieneplan sagt etwas anderes – etwa in Kinderarztpraxen, infektiologischen Schwerpunktpraxen oder während einer Infektionswelle. Viele Hygienepläne stützen sich fachlich auf die Empfehlungen, die beim Robert Koch-Institut von der zuständigen Kommission (KRINKO) herausgegeben werden. Welche Flächen Sie in Ihrer Praxis desinfizieren lassen, entscheidet die Praxisleitung; eine Reinigungsfirma setzt diese Vorgaben um.

Gezielt desinfiziert wird immer dann, wenn eine Fläche sichtbar mit Körperflüssigkeiten verunreinigt ist, also etwa nach Erbrechen, bei Blut oder Urin. Dafür sollte am Empfang ein kleines Set bereitliegen: Einmalhandschuhe, saugfähige Tücher, Abwurfbeutel und das Flächendesinfektionsmittel aus Ihrem Plan.

Ein Tagesablauf, der funktioniert

Ein Warteraum lässt sich nicht einmal am Abend sauber machen und dann bis zum nächsten Abend vergessen. Bewährt hat sich eine Aufteilung zwischen Praxisteam und Reinigungskräften.

Während der Sprechstunde (Praxisteam):

  1. Einmal am Vormittag und einmal am Nachmittag Türdrücker und Wasserspender abwischen.
  2. Liegengebliebene Taschentücher, Becher und Flyer einsammeln.
  3. Grobe Verschmutzungen sofort beseitigen, nicht erst am Abend.
  4. Stoßlüften, sobald der Raum voll war.

Nach der Sprechstunde (Reinigungsteam):

  1. Papierkörbe leeren, Beutel wechseln, Behälter bei Bedarf auswischen.
  2. Alle Handkontaktflächen von oben nach unten feucht reinigen.
  3. Stühle vollständig: Sitzfläche, Lehne, Armlehnen, Beine und Gleiter.
  4. Tische, Fensterbänke und Ablagen feucht wischen.
  5. Spielecke nach eigenem Ablauf (siehe unten).
  6. Boden saugen und nass wischen, Ecken und Heizkörpernischen nicht auslassen.
  7. Sauberlaufzone am Eingang absaugen, bei Nässe Matte tauschen lassen.

Wichtig ist die Reihenfolge: Erst wird oben gearbeitet, dann unten; erst das Saubere, dann das Stärker Verschmutzte. Wer die Toilette vor dem Tisch wischt und dasselbe Tuch weiterverwendet, verteilt Keime, statt sie zu entfernen. Deshalb gehören getrennte Tuchfarben für Sanitär und übrige Flächen zu jedem Praxisauftrag.

Übersicht: Flächen, Mittel, Rhythmus

Bereich Mittel Wie oft
Türdrücker, Lichtschalter Neutralreiniger; Desinfektion nur laut Hygieneplan täglich, bei hohem Andrang zusätzlich mittags
Stühle mit Kunstleder oder Kunststoff milder Reiniger, klares Wasser, trocknen täglich
Stühle mit Stoffbezug Absaugen; Fleckbehandlung; Sprühextraktion täglich saugen, zwei- bis viermal jährlich tief
Tische, Fensterbänke Neutralreiniger täglich
Spielzeug (abwaschbar) Reinigungslösung, klar nachspülen, trocknen täglich bis wöchentlich, je nach Nutzung
Boden (Vinyl, Kautschuk, Linoleum) materialgerechter Wischpflegezusatz täglich
Heizkörper, Lüftungsgitter Staubentfernung monatlich
Garderobe, Schirmständer Reinigung, Wasser ausleeren täglich

Die Spielecke verdient einen eigenen Ablauf

Kinder nehmen Spielzeug in den Mund, lecken an Bauklötzen und stecken Finger in jede Öffnung. Deshalb gilt: Weniger ist mehr. Stofftiere, Plüschkissen und Kuscheldecken haben im Warteraum wenig verloren, weil sie sich kaum aufbereiten lassen. Besser sind wenige, glatte, spülmaschinenfeste Spielsachen und eine Kiste zum Tauschen.

In der Praxis bewährt sich ein Zwei-Kisten-System: Eine Kiste steht im Raum, die zweite liegt gereinigt im Schrank. Abends wird getauscht, das benutzte Spielzeug wird gereinigt, abgespült und getrocknet. So ist immer ein sauberer Satz vorhanden. Wie Holz, Kunststoff und Stoff jeweils behandelt werden, erklärt der Beitrag Kinderspielzeug in Kita und Kinderzimmer reinigen.

Bücher und Zeitschriften sind ein Sonderfall. Sie lassen sich nicht sinnvoll reinigen. Viele Praxen haben sie deshalb reduziert oder durch Informationsbildschirme und laminierte Aushänge ersetzt. Wenn Sie Lesestoff anbieten, tauschen Sie ihn regelmäßig aus und entsorgen Sie Zerlesenes.

Typische Fehler im Warteraum
  • Desinfektionsmittel wird auf Stoffpolster gesprüht – es wirkt dort kaum und hinterlässt Ränder.
  • Ein Tuch für alles: vom Waschbecken über den Tresen bis zum Stuhl.
  • Nur die Sitzfläche wird gewischt, Armlehnen und Stuhlbeine bleiben liegen.
  • Der Schirmständer steht wochenlang mit Wasser im Boden.
  • Spielzeug aus Stoff und Plüsch, das nie gewaschen wird.
  • Duftsprays statt Lüften: Sie überdecken Gerüche und belasten empfindliche Patienten.

Material und Möblierung: gleich bei der Einrichtung mitdenken

Ein großer Teil der Reinigungsarbeit wird schon bei der Möbelwahl entschieden. Stühle mit abwischbarem Bezug und wenigen Nähten lassen sich in Sekunden sauber machen. Stoffbezüge sind wohnlich, aber sie nehmen Gerüche, Flüssigkeiten und Staub auf. Wer auf Stoff nicht verzichten möchte, sollte zumindest abnehmbare, waschbare Bezüge wählen oder die Polster regelmäßig maschinell reinigen lassen. Unsere Polsterreinigung arbeitet dafür mit Sprühextraktion, die auch tiefer sitzenden Schmutz aus dem Gewebe holt.

Nicht jede Oberfläche verträgt jedes Mittel. Alkoholische Präparate können manche Kunstleder spröde machen, einige Acrylgläser trüben oder Lacke anlösen. Wenn Sie neu einrichten oder das Desinfektionsmittel wechseln, lohnt ein Blick in unseren Beitrag welche Oberflächen Desinfektionsmittel nicht vertragen.

Beim Boden haben sich in Praxen elastische Beläge wie Kautschuk, Linoleum oder Vinyl durchgesetzt. Sie sind fugenarm und leise. Allerdings brauchen sie die passende Pflege, sonst werden sie stumpf oder schmierig. Worauf es bei Kautschuk ankommt, lesen Sie unter Kautschukböden richtig pflegen.

Luft, Licht und Geruch

Ein Warteraum riecht schnell nach vielen Menschen. Regelmäßiges Stoßlüften ist die einfachste und wirksamste Maßnahme, gerade in der Erkältungszeit. Sind die Fenster schwer zu öffnen, etwa in Altbauten mit hohen Flügeln, hilft ein fester Lüftungsplan fürs Praxisteam. Luftreiniger können ergänzen, ersetzen das Lüften aber nicht und müssen ihrerseits regelmäßig gewartet werden.

Licht zeigt Schmutz. Tageslicht von der Seite macht Schlieren auf Tischen und Streifen auf dem Boden sichtbar. Prüfen Sie deshalb gelegentlich morgens, bei Tageslicht, statt nur abends unter Deckenlampen.

Kleinigkeiten mit großer Wirkung

Bei der Arbeit in Berliner Praxen – vom Altbau in Prenzlauer Berg bis zum Ärztehaus am Stadtrand – haben sich ein paar Kleinigkeiten als besonders wirksam erwiesen:

  • Stuhlreihe einmal pro Woche abrücken. Hinter und unter den Stühlen sammeln sich Staub, Kaugummipapier und verlorene Handschuhe.
  • Kabel und Steckdosenleisten nicht vergessen. Bildschirme im Warteraum ziehen Staub an, die Kabelkanäle ebenso.
  • Handdesinfektionsspender kontrollieren. Tropft der Spender, entsteht darunter ein klebriger Fleck, der den Boden angreifen kann.
  • Fotos als Standard. Ein Foto des aufgeräumten Raums im Teamordner zeigt allen, wie „fertig“ aussieht.
  • Fester Platz für Leihschirme und Rollatoren. Das verhindert Wasserlachen und Stolperfallen.

Wann eine Fachfirma sinnvoll ist

Die tägliche Pflege kann ein eingespieltes Team erledigen. Spätestens wenn Mitarbeitende abends nach der Sprechstunde noch putzen sollen, leidet meistens beides: die Reinigung und die Laune. Eine professionelle Praxisreinigung übernimmt die Arbeiten nach Ihrem Hygieneplan, dokumentiert sie und trennt Sanitär- und Behandlungsbereiche konsequent. Putzfirma Berlin arbeitet dabei mit festen Teams, die die Räume kennen.

Nach einem Infektionsfall, bei einer Häufung von Magen-Darm-Erkrankungen oder vor einer Wiedereröffnung kann eine zusätzliche Desinfektionsreinigung sinnvoll sein, abgestimmt mit Ihrer Praxisleitung. Wie Sie die Behandlungsräume zwischen zwei Patienten richtig bearbeiten, lesen Sie im Beitrag zur Wischdesinfektion im Behandlungsraum.

Häufige Fragen

Muss der Warteraum jeden Tag desinfiziert werden?

In den meisten Praxen nicht. Eine tägliche gründliche Reinigung genügt für Stühle, Tische und Böden. Desinfiziert wird gezielt bei sichtbarer Verschmutzung mit Körperflüssigkeiten und dort, wo Ihr Hygieneplan es festlegt. Maßgeblich ist immer der Plan Ihrer Einrichtung.

Sind Stoffstühle in einer Praxis überhaupt erlaubt?

Ein pauschales Verbot gibt es nicht, aber sie sind schwerer sauber zu halten. Wenn Sie Stoff wählen, planen Sie tägliches Absaugen und eine regelmäßige Tiefenreinigung ein. Für Kinderarzt- und infektiologische Praxen empfehlen wir abwischbare Bezüge.

Wie oft sollte Spielzeug gereinigt werden?

Das hängt vom Andrang ab. In Kinderarztpraxen ist eine tägliche Reinigung sinnvoll, in anderen Praxen reicht oft ein wöchentlicher Rhythmus. Sichtbar verschmutztes oder in den Mund genommenes Spielzeug kommt sofort aus dem Verkehr.

Was gehört in ein Notfallset für Erbrochenes?

Einmalhandschuhe, eventuell Schürze, saugfähige Einmaltücher oder Granulat, reißfeste Beutel und das Flächendesinfektionsmittel aus Ihrem Hygieneplan. Nach der Aufnahme wird die Fläche desinfizierend gewischt und die Einwirkzeit abgewartet.

Ist ein Einsatz auch samstags möglich?

Je nach Verfügbarkeit übernehmen wir Einsätze auch samstags oder vor Praxisöffnung am Montag. Das ist vor allem für Grundreinigungen und Polsterpflege praktisch, weil die Möbel dann in Ruhe trocknen können.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.