
Jedes Jahr im Herbst beginnt dasselbe: Kollegen husten, Kinder bringen Schnupfen aus der Kita mit, das Wartezimmer beim Hausarzt ist voll. In Deutschland liegt der Höhepunkt der Influenza-Wellen meist irgendwann zwischen Jahreswechsel und Frühjahr, Beginn und Stärke schwanken aber von Jahr zu Jahr. Wie ausgeprägt eine Saison ist, lässt sich vorher kaum sagen.
Was sich sagen lässt: Mit gezielter Reinigung, guter Händehygiene und Lüften lässt sich die Weitergabe von Erregern in Büro, Praxis, Schule und Wohnung reduzieren. Eine lückenlose Desinfektion aller Flächen ist dafür nicht nötig und oft sogar kontraproduktiv.
Wie sich die Viren verbreiten
Influenzaviren werden vor allem über Tröpfchen und kleinere Partikel beim Husten, Niesen und Sprechen übertragen. Nahe Kontakte in schlecht belüfteten Räumen spielen daher die größte Rolle. Daneben gibt es den Weg über die Hände: Wer in die Hand hustet und danach eine Türklinke anfasst, hinterlässt Viren, die der nächste mit der Hand an Mund, Nase oder Augen bringen kann. Wie lange die Viren auf Flächen ansteckend bleiben, hängt von Material, Temperatur und Luftfeuchte ab.
Für die Reinigung bedeutet das: Die Flächen, die viele verschiedene Hände berühren, verdienen in dieser Zeit mehr Aufmerksamkeit. Und Lüften sowie Händewaschen sind mindestens genauso wichtig wie das Tuch.
Eine gute Nachricht für die Mittelwahl: Influenzaviren besitzen eine Lipidhülle, die sie empfindlich macht. Präparate, die als „begrenzt viruzid“ ausgewiesen sind, erfassen sie. Für Noro- oder Adenoviren, die ebenfalls im Winter gehäuft vorkommen, reicht das dagegen nicht.
Die Liste der Handkontaktflächen
| Ort | Flächen | Häufigkeit in der Saison |
|---|---|---|
| Eingang, Flure | Türdrücker, Türknäufe, Schiebetürgriffe, Klingelplatte | mindestens täglich, bei hohem Publikumsverkehr zweimal |
| Aufzug und Treppenhaus | Ruf- und Etagentaster, Handläufe | täglich |
| Büro | Tastaturen, Mäuse, Telefonhörer, Tischkanten an gemeinsam genutzten Plätzen | täglich an Desk-Sharing-Plätzen |
| Besprechungsräume | Tischplatten, Stuhllehnen, Fernbedienungen, Konferenztelefon | nach jeder Nutzung oder täglich |
| Teeküche | Kaffeemaschine (Tasten), Kühlschrankgriff, Wasserhahn, Mikrowellentür | täglich |
| Sanitärräume | Armaturen, Spülknopf, Seifenspender, Türverriegelung | täglich, bei Bedarf öfter |
| Zuhause | Türklinken, Lichtschalter, Fernbedienung, Handy, Wasserhahn | häufiger reinigen, wenn jemand erkrankt ist |
Welche Flächen im Unternehmen konkret betroffen sind, zeigt am besten ein einfacher Rundgang: Wo fassen alle an? Dort setzen Sie an. Das Handy nicht vergessen – es wird ständig berührt und selten gereinigt. Wie das materialschonend geht, steht im Beitrag Smartphone und Tablet hygienisch reinigen.
Wenn es zuhause jemanden erwischt hat
Liegt ein Familienmitglied mit Fieber und Husten im Bett, lässt sich mit wenigen Handgriffen verhindern, dass sich alle der Reihe nach anstecken. Die kranke Person nutzt nach Möglichkeit ein eigenes Handtuch und ein eigenes Glas. Benutzte Taschentücher landen sofort in einem Beutel, der täglich in den Restmüll kommt. Türklinken, Lichtschalter, Fernbedienung und die Armatur im Bad werden in dieser Zeit täglich mit dem normalen Reiniger abgewischt. Bettwäsche und Handtücher wechseln Sie etwas häufiger als sonst und waschen sie bei 60 °C.
Das Zimmer der kranken Person wird mehrmals am Tag gelüftet. Wer sie versorgt, wäscht sich danach die Hände. Das klingt banal, ist aber der Teil, der im Alltag am häufigsten untergeht – gerade nachts, wenn man nur schnell Tee bringt. Nach der Genesung genügt eine normale, gründliche Reinigung; eine „Abschlussdesinfektion“ der Wohnung ist nicht nötig.
Reinigen oder desinfizieren?
Im Privathaushalt genügt in der Regel die normale Reinigung mit Wasser und einem handelsüblichen Reiniger. Fachstellen wie das Robert Koch-Institut sehen eine routinemäßige Flächendesinfektion zuhause nicht als notwendig an. Liegt jemand mit Grippe im Bett, reinigen Sie die gemeinsam genutzten Handkontaktflächen einfach öfter. Mehr dazu im Beitrag wann Desinfektion zuhause nötig ist.
In Büros und Geschäftsräumen ist ebenfalls die gründliche, häufigere Reinigung der Kern. Eine zusätzliche Desinfektion einzelner Flächen kann während einer Welle sinnvoll sein, etwa an Empfangstresen mit viel Kundenkontakt oder an Desk-Sharing-Plätzen. Das lässt sich mit dem Arbeitsschutz im Unternehmen abstimmen.
In Praxen, Pflegeeinrichtungen und Kitas gilt der jeweilige Hygieneplan. Er legt fest, welche Flächen wann mit welchem Präparat bearbeitet werden, und kann für Infektionswellen eigene Maßnahmen vorsehen.
So passen Sie den Reinigungsplan an
- Rundgang machen und alle Handkontaktflächen auflisten. Eine Stunde reicht dafür meist.
- Frequenz erhöhen, nicht die Chemie: Türgriffe zweimal statt einmal täglich, Besprechungstische nach jeder Buchung.
- Frische Tücher für jeden Bereich verwenden. Wer mit demselben Tuch vom Waschraum in die Teeküche geht, verteilt Erreger.
- Nebelnde Sprühflaschen meiden und das Mittel lieber auf das Tuch geben.
- Hygiene-Station aufstellen: Handdesinfektion am Eingang und im Besprechungsbereich, Papiertücher statt Stoffhandtüchern in den Waschräumen.
- Lüftungsplan festlegen: regelmäßig quer lüften, gerade in Besprechungsräumen mit vielen Menschen.
- Nach der Welle zurückfahren. Ein erhöhter Rhythmus muss nicht das ganze Jahr laufen.
- Alles wird desinfiziert, aber niemand wäscht sich die Hände.
- Desinfektionsmittel werden auf empfindliche Oberflächen wie Displays oder Lederbezüge gesprüht und beschädigen sie.
- Handtücher aus Stoff hängen tagelang in der Büroküche.
- Mitarbeitende kommen krank ins Büro, und die Reinigung soll es „ausgleichen“.
- Duft- und Desinfektionssprays werden in geschlossenen Räumen vernebelt – das reizt die Atemwege.
Die Luft nicht vergessen
Da Grippeviren hauptsächlich über die Luft weitergegeben werden, ist gutes Lüften oft wirksamer als jede Flächenmaßnahme. Mehrmals täglich einige Minuten Stoßlüften, im Winter bei weit geöffnetem Fenster, bringt frische Luft, ohne die Räume auszukühlen. In Räumen mit Lüftungsanlage sollten die Filter nach Wartungsplan getauscht werden. Wie Staub, Feuchte und Reinigungsgewohnheiten die Luftqualität beeinflussen, beschreibt der Beitrag Raumluft verbessern.
Wer im Winter Luftbefeuchter aufstellt, sollte sie konsequent pflegen. Stehendes Wasser im Tank ist ein guter Nährboden für Bakterien und Schimmel, die dann fein verteilt in die Raumluft gelangen. Das Wasser täglich wechseln, den Tank regelmäßig reinigen und entkalken und das Gerät nach Herstellerangabe warten – sonst schadet es mehr, als es nützt. Auch Heizkörper tragen zur Luftqualität bei: Eine Staubschicht auf den Lamellen wird bei jeder Heizperiode erneut aufgewirbelt. Zum Saisonbeginn lohnt es sich deshalb, sie einmal gründlich zu entstauben.
Profi-Tipps für Unternehmen
Wenn Unternehmen uns im Herbst um mehr Reinigung bitten, empfehlen wir nicht zuerst ein stärkeres Mittel, sondern eine zweite, kurze Runde am Mittag. Sie dauert je nach Objekt oft nur eine halbe Stunde und erfasst genau die Flächen, die morgens schon wieder schmutzig sind. Außerdem bewährt sich:
- Kleine Tuchspender an Desk-Sharing-Plätzen, damit Mitarbeitende ihre Tastatur selbst abwischen können.
- Ein Aushang am Kaffeeautomaten, der kurz erklärt, warum die Tasten öfter gewischt werden.
- Genug Verbrauchsmaterial: Seife und Papier gehen in der Saison schneller aus. Leere Spender sind der größte Hygienefehler.
Ausführlicher beschreiben wir das im Beitrag Erkältungszeit im Büro: Reinigung gezielt anpassen.
Wann eine Fachfirma helfen kann
Eine eingespielte Büroreinigung lässt sich in der Saison flexibel aufstocken – mit zusätzlichen Durchgängen für Handkontaktflächen oder einem höheren Rhythmus in Sanitärräumen. Putzfirma Berlin passt den Leistungsumfang dafür nach Absprache an. Gab es im Betrieb eine Häufung von Erkrankungen, kann eine gezielte Desinfektionsreinigung sinnvoll sein. In Kitas mit vielen Kleinkindern stimmen wir die Kitareinigung mit dem Hygieneplan der Einrichtung ab.
Kurz beantwortet
Brauche ich in den Wintermonaten ein spezielles Desinfektionsmittel?
Im Haushalt meist nicht, gründliche Reinigung genügt. Wo desinfiziert wird, reicht gegen Influenzaviren ein Mittel mit der Angabe „begrenzt viruzid“. Gegen Noroviren wäre ein als viruzid ausgewiesenes Präparat nötig.
Wie oft sollten Türklinken gereinigt werden?
In Büros und Geschäften mit viel Publikum mindestens einmal täglich, während einer Welle gern zweimal. Im Haushalt reicht es, sie häufiger mitzureinigen, wenn jemand erkrankt ist.
Hilft es, Räume mit Desinfektionsmittel zu vernebeln?
Für Büros und Wohnungen nein. Vernebelte Mittel belasten die Atemwege, erreichen Flächen ungleichmäßig und ersetzen keine Wischreinigung. Spezielle Raumdesinfektionsverfahren sind Sonderfällen vorbehalten und gehören in Fachhände.
Was ist wichtiger, Flächen oder Hände?
Die Hände. Flächen werden erst zum Problem, wenn Hände die Erreger weitertragen. Regelmäßiges Händewaschen, Husten in die Armbeuge und Lüften bringen am meisten.
Kann die Reinigung während der Arbeitszeit stattfinden?
Ja. Eine kurze Runde am Mittag stört kaum und erfasst genau die Flächen, die am meisten angefasst werden. Die Hauptreinigung bleibt am Abend oder frühen Morgen.
Über diesen Beitrag
Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.




