Symbolgrafik zum Beitrag „Legionellen und selten genutzte Duschen“ aus dem Thema Gesundheit & Hygiene

Die Dusche im Gästebad, die seit dem Sommer niemand benutzt hat. Die Umkleide im Büro, in der die Fahrradpendler im Winter fehlen. Die Ferienwohnung, die drei Wochen leer stand. Die Wohnung eines verstorbenen Angehörigen, die erst nach Monaten geräumt wird. In all diesen Fällen steht warmes Wasser in den Leitungen – und genau das sind die Bedingungen, die Legionellen mögen.

Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise in geringer Zahl im Wasser vorkommen. Zum Problem werden sie, wenn sie sich stark vermehren und dann eingeatmet werden. Mit einfachen Routinen lässt sich das Risiko deutlich senken. Für die Technik dahinter braucht es aber Fachleute.

Wie eine Ansteckung zustande kommt

Legionellen machen nicht krank, wenn man belastetes Wasser trinkt. Gefährlich wird es, wenn feinste Wassertröpfchen – ein Aerosol – eingeatmet werden. Genau das passiert beim Duschen, an Whirlpools, in Befeuchtungsanlagen oder Kühltürmen. Die Folge kann eine schwere Lungenentzündung sein, die sogenannte Legionärskrankheit, oder eine mildere, grippeähnliche Erkrankung, das Pontiac-Fieber. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucher und Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen der Lunge.

Das Robert Koch-Institut und die Gesundheitsämter informieren ausführlich über die Erkrankung. Wer nach dem Duschen in einer lange ungenutzten Wohnung Fieber, Husten und Atemnot bekommt, sollte ärztlichen Rat einholen und den Umstand erwähnen.

Unter welchen Bedingungen sie sich vermehren

Legionellen vermehren sich vor allem im lauwarmen Bereich, grob zwischen etwa 25 und 45 Grad Celsius. Kaltes Wasser bremst sie, heißes Wasser tötet sie ab. Deshalb gelten in der Trinkwasserinstallation zwei Grundsätze: Warmwasser heiß genug halten, Kaltwasser kalt genug halten – und vor allem das Wasser regelmäßig fließen lassen.

Gefährliche Stellen im Gebäude:

  • Stagnation: Leitungsabschnitte, in denen Wasser tagelang steht, etwa zu selten genutzten Duschen, Gästebädern oder stillgelegten Waschbecken.
  • Tote Leitungen: Abzweige, die bei Umbauten nicht zurückgebaut, sondern nur verschlossen wurden.
  • Zu niedrige Warmwassertemperatur: Wenn der Speicher aus Spargründen dauerhaft niedrig eingestellt ist.
  • Erwärmtes Kaltwasser: Kaltwasserleitungen, die neben Heizungsrohren verlaufen oder in warmen Schächten liegen.
  • Kalk und Biofilm: In verkalkten Duschköpfen, Perlatoren und Schläuchen finden Bakterien Schutz.

Spülen: die wichtigste Maßnahme

Das Grundprinzip heißt in der Fachsprache „bestimmungsgemäßer Betrieb“: Jede Entnahmestelle wird so regelmäßig genutzt, dass das Wasser darin ausgetauscht wird. Einschlägige technische Regeln sehen dafür einen Wasseraustausch in kurzen Abständen vor; häufig werden höchstens drei Tage genannt. Bei längerer Abwesenheit oder Leerstand muss also bewusst gespült werden.

So gehen Sie nach Urlaub oder Leerstand vor:

  1. Fenster öffnen, damit Aerosole abziehen können.
  2. Kaltwasser zuerst an allen Entnahmestellen laufen lassen, bis es spürbar kühl und gleichmäßig temperiert ist.
  3. Danach das Warmwasser voll aufdrehen, bis es die gewohnte, deutlich heiße Temperatur erreicht, und noch eine Weile weiterlaufen lassen.
  4. Duschkopf dabei tief halten oder in die Wanne legen bzw. ohne Duschkopf mit dem Schlauch spülen, um Sprühnebel zu vermeiden. Nicht mit dem Gesicht darüberbeugen.
  5. Alle Stellen berücksichtigen: Waschbecken, Küchenspüle, Badewanne, Gäste-WC, Außenzapfstellen im Sommer.
  6. Bei längerem Leerstand regelmäßig wiederholen, zum Beispiel im Rahmen einer wöchentlichen Kontrolle.

Wer eine Wohnung länger leer stehen lässt, sollte das Spülen fest organisieren. Hinweise zum Umgang mit leerstehenden Einheiten finden Hausverwaltungen im Beitrag Leerstehende Wohnungen pflegen.

Pflege der Armaturen

Bauteil Was zu tun ist Rhythmus
Duschkopf abschrauben, in Entkalker einlegen, Düsen reinigen, gut ausspülen je nach Kalkbelastung alle paar Monate
Duschschlauch auf Knicke und Beläge prüfen, bei Verfärbung tauschen jährlich kontrollieren
Perlatoren an Wasserhähnen herausschrauben, entkalken, Siebe reinigen alle paar Monate
Thermostatarmaturen Funktion und Temperatur prüfen halbjährlich
Selten genutzte Zapfstellen spülen mindestens alle paar Tage oder nach Spülplan
Warmwasserspeicher, Zirkulation Temperatur und Betrieb durch Fachbetrieb prüfen lassen laut Wartungsvertrag

Berlin hat hartes Wasser, deshalb setzen Kalkablagerungen Duschköpfen und Perlatoren besonders zu. Mehr zum Umgang mit Kalk im Alltag im Beitrag Hartes Berliner Wasser.

Was Sie vermeiden sollten
  • Nach Leerstand gleich heiß duschen, ohne vorher zu spülen.
  • Den Warmwasserspeicher dauerhaft auf niedrige Temperatur stellen, um Energie zu sparen – das kann die Vermehrung begünstigen. Fragen Sie vorher Ihren Installateur.
  • Verkalkte Duschköpfe jahrelang weiternutzen.
  • Selbst mit Chlorprodukten in die Leitung „desinfizieren“ – das gehört ausschließlich in Fachhände.
  • Nicht genutzte Leitungsabschnitte einfach absperren, statt sie fachgerecht zurückbauen zu lassen.

Wo das Thema besonders oft auftaucht

Legionellen sind kein reines Problem großer Kliniken. Im Alltag begegnen sie uns vor allem dort, wo viele Duschplätze unregelmäßig genutzt werden oder wo warmes Wasser vernebelt wird. Typische Beispiele sind Umkleiden in Sportvereinen und Studios, Saunen und Wellnessbereiche, Hotels in der Nebensaison, Wohnheime in den Semesterferien und Büros mit Duschräumen. Hinzu kommen Whirlpools und Luftbefeuchter, in denen Wasser erwärmt und verwirbelt wird.

In Wellnessanlagen hängen Wasserhygiene und Flächenreinigung eng zusammen; worauf es dort ankommt, beschreibt der Beitrag Sauna und Wellnessbereich: Holz, Wärme, Feuchtigkeit. Für Umkleiden und Duschräume, in denen neben dem Wasser auch Fußpilz ein Thema ist, lohnt der Blick in Umkleiden und Nassbereiche. Die regelmäßige, gründliche Pflege von Duschen, Armaturen und Abläufen übernimmt unsere Sanitärreinigung – das Spülen selten genutzter Zapfstellen lässt sich dabei gleich mit einplanen.

Pflichten und Zuständigkeiten

Für Trinkwasser gilt in Deutschland die Trinkwasserverordnung. Betreiber bestimmter größerer Warmwasseranlagen – etwa in vermieteten Mehrfamilienhäusern oder in gewerblich genutzten Gebäuden – müssen das Wasser regelmäßig von zugelassenen Laboren auf Legionellen untersuchen lassen. Welche Anlagen darunterfallen und in welchen Abständen geprüft wird, klären Eigentümer und Verwaltungen am besten mit ihrem Installationsbetrieb oder dem Gesundheitsamt. Das ist keine Rechtsberatung.

Wichtig für die Aufgabenteilung: Probenahme, Gefährdungsanalyse, Sanierung und thermische oder chemische Desinfektion der Installation sind Sache von Labor und Sanitärfachbetrieb. Eine Reinigungsfirma kann aber das Spülen im Alltag übernehmen und die Armaturen pflegen.

Aus der Praxis einer Reinigungsfirma

Bei Objekten mit wechselnder Nutzung – Ferienwohnungen, Büros mit Duschen für Radfahrer, Studios mit Umkleiden – führen wir auf Wunsch einen einfachen Spülplan. Er hält fest, welche Zapfstelle wann gespült wurde. Das ist hilfreich, wenn später jemand fragt.

  • In Ferienwohnungen lässt sich das Spülen gut in die Endreinigung zwischen zwei Gästen einbauen. Bei längeren Buchungslücken planen wir einen Zwischentermin ein.
  • In Büros sind es oft die Duschen im Keller oder im Fahrradraum, die im Winter kaum jemand nutzt.
  • In Fitnessstudios mit vielen Duschplätzen werden die Randplätze oft seltener genutzt als die mittleren.
  • Beim Entkalken von Duschköpfen arbeiten wir mit Mitteln, die zur Armatur passen, und spülen gründlich nach.

Wer eine Wohnung zwischen zwei Gästen reinigen lässt, findet unsere Leistung unter Ferienwohnungsreinigung. Im Gewerbe übernimmt unser Hausmeisterservice das regelmäßige Spülen leerstehender Einheiten und meldet Auffälligkeiten an die Verwaltung. In Studios und Anlagen mit vielen Duschplätzen fügen wir das Spülen in die Fitnessstudioreinigung ein. Putzfirma Berlin stimmt die Einzelheiten jeweils mit Eigentümer und Installateur ab.

Häufige Fragen

Kann ich mich beim Trinken von Leitungswasser anstecken?

Nach heutigem Wissen nicht über das Trinken, sondern über das Einatmen feiner Wassertröpfchen, etwa beim Duschen. Bei Menschen mit Schluckstörungen kann ein Verschlucken in die Atemwege eine Rolle spielen. Im Zweifel fragen Sie Ihre Arztpraxis.

Wie lange muss ich nach dem Urlaub das Wasser laufen lassen?

Bis das Kaltwasser gleichmäßig kühl und das Warmwasser deutlich heiß aus der Leitung kommt, und dann noch kurz weiter. Das dauert je nach Leitungslänge wenige Minuten pro Zapfstelle. Spülen Sie alle Entnahmestellen, nicht nur die Dusche.

Hilft es, den Duschkopf zu entkalken?

Ja, als Teil der Vorbeugung. In Kalk und Belägen finden Bakterien Schutz. Regelmäßiges Entkalken und bei Bedarf der Austausch von Duschkopf und Schlauch gehören deshalb zur Pflege, ersetzen aber nicht das regelmäßige Durchspülen.

Wer muss das Trinkwasser untersuchen lassen?

Pflichten treffen vor allem Betreiber bestimmter größerer Warmwasseranlagen in vermieteten oder gewerblich genutzten Gebäuden. Welche Anlagen betroffen sind, klären Eigentümer mit Installationsbetrieb oder Gesundheitsamt. Das ist keine Rechtsberatung.

Kann eine Reinigungsfirma Leitungen desinfizieren?

Nein. Die Desinfektion oder Sanierung einer Trinkwasserinstallation gehört in die Hände eines Sanitärfachbetriebs. Eine Reinigungsfirma kann regelmäßig spülen, Armaturen entkalken und Auffälligkeiten melden.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.