
Leder ist eine gegerbte Tierhaut und damit ein Naturmaterial mit Poren, Narben und einer eigenen Geschichte. Unter Glattleder versteht man Leder, dessen natürliche Oberseite, der Narben, sichtbar erhalten bleibt. Im Gegensatz zu Wildleder oder Nubuk ist die Oberfläche glatt und fühlt sich geschlossen an. Glattleder begegnet uns auf Esszimmerstühlen, Chefsesseln, Sofas, Taschen, Gürteln und Jacken.
Wie empfindlich ein Stück ist, hängt vor allem von der Zurichtung ab, also davon, wie die Oberfläche nach dem Gerben behandelt wurde. Diese Unterscheidung ist wichtiger als der Preis oder die Marke, denn sie bestimmt, welche Reinigung verträglich ist.
Drei Typen, drei Pflegewege
| Typ | Merkmale | Empfindlichkeit | Pflege |
|---|---|---|---|
| Anilin | offenporig, natürliche Narbung sichtbar, sehr weich | hoch, Flecken ziehen schnell ein | nur minimal feucht, spezielle Anilinpflege |
| Semianilin | leicht pigmentiert, Poren teils sichtbar | mittel | milder Reiniger, regelmäßige Pflege |
| pigmentiert (gedeckt) | gleichmäßige Farbe, geschützte Oberfläche | gering | abwischbar, Reiniger und Schutzcreme |
Ein einfacher Test verrät, womit Sie es zu tun haben: Träufeln Sie an einer unauffälligen Stelle etwas Wasser auf das Material. Zieht der Tropfen innerhalb weniger Sekunden ein und dunkelt die Stelle ab, handelt es sich um offenporiges Anilinleder. Bleibt der Tropfen stehen, ist die Oberfläche pigmentiert oder versiegelt. Die meisten Möbel und Autositze sind pigmentiert, viele hochwertige Jacken und Taschen dagegen eher anilin oder semianilin.
Regelmäßig reinigen ohne Risiko
Staub wirkt auf Dauer wie feines Schleifmittel und trocknet die Oberfläche aus. Deshalb ist die wichtigste Pflegemaßnahme erstaunlich schlicht:
- Abstauben. Wöchentlich mit Staubwedel oder trockenem Baumwolltuch darübergehen. Bei Möbeln Nähte und Falten mit der Polsterdüse bei niedriger Leistung absaugen.
- Nebelfeucht wischen. Alle paar Wochen mit einem gut ausgewrungenen Baumwoll- oder weichen Mikrofasertuch und klarem, lauwarmem Wasser über die Oberfläche gehen. Nicht nass, sondern kaum feucht.
- Mit Lederreiniger arbeiten. Wenn Handkontakt Spuren hinterlässt, etwa an Armlehnen oder Taschengriffen, einen pH-milden Lederreiniger als Schaum auftragen, mit sanfter Bürste in kleinen Kreisen verteilen und mit einem Tuch abnehmen.
- Trocknen lassen. Bei Zimmertemperatur, nicht auf der Heizung und nicht in der prallen Sonne.
- Pflegen. Eine dünne Schicht Pflegemilch oder -creme passend zum Ledertyp auftragen. Sie bringt Feuchtigkeit zurück und schützt vor neuen Flecken.
Wie oft Sie das machen, hängt von der Nutzung ab. Ein täglich genutzter Bürostuhl braucht mehr Aufmerksamkeit als ein Sessel im Gästezimmer.
| Gegenstand | Abstauben | Reinigen | Pflegen |
|---|---|---|---|
| Esszimmer- oder Bürostuhl | wöchentlich | alle 4 bis 8 Wochen | zwei- bis viermal jährlich |
| Sofa und Sessel | wöchentlich | alle 2 bis 3 Monate | zweimal jährlich |
| Handtasche, Rucksack | bei Bedarf | bei sichtbarer Verschmutzung | zu Saisonbeginn und -ende |
| Jacke | nach dem Tragen ausbürsten | bei Flecken punktuell | vor und nach dem Winter |
Flecken und typische Missgeschicke
- Wasserränder: Entstehen, wenn Regentropfen auf offenporigem Leder trocknen. Am besten die ganze Fläche bis zur nächsten Naht gleichmäßig nebelfeucht machen und trocknen lassen. So verschwindet der Rand oft.
- Fett und Hautfett: Auf Anilin nicht reiben. Kleine frische Flecken ziehen häufig mit der Zeit ins Leder ein und verblassen. Für ältere Griffspuren gibt es Fettlöser speziell für Leder.
- Kugelschreiber: Frische Striche auf pigmentiertem Leder lassen sich manchmal mit einem Spezialstift entfernen. Radieren oder Alkohol zerstören die Farbschicht.
- Salzränder an Stiefeln und Taschen: Mit lauwarmem Wasser und einem Tuch lösen, gut trocknen, dann pflegen.
- Getränke: Sofort abtupfen, nicht wischen, und die Stelle wie bei Wasserrändern gleichmäßig behandeln.
- Allzweckreiniger, Glasreiniger und Scheuermilch: sie entfetten, greifen die Farbschicht an und lassen Risse entstehen.
- Desinfektionsmittel mit hohem Alkoholgehalt: trocknen aus und machen die Oberfläche spröde.
- Babyfeuchttücher und Kosmetiktücher: enthalten häufig Zusätze, die Flecken oder Glanzstellen hinterlassen.
- Schuhcreme oder Möbelpolitur auf Möbeln: färbt ab und macht die Oberfläche klebrig.
- Speiseöl als Hausmittel: kann ranzig werden und dunkle Flecken bilden.
- Föhn und Heizung zum schnellen Trocknen: das Material schrumpft und wird hart.
Jacken und Taschen
Eine Jacke aus Glattleder gehört nicht in die Waschmaschine, es sei denn, das Etikett erlaubt es ausdrücklich, was selten vorkommt. Nach einem Regenguss hängen Sie sie auf einem breiten Bügel bei Zimmertemperatur auf und lassen sie langsam trocknen. Taschen und Ärmel formen Sie mit Seidenpapier aus. Danach die Oberfläche leicht pflegen, damit sie geschmeidig bleibt. Für stark verschmutzte oder fleckige Jacken ist eine spezialisierte Lederreinigung die richtige Adresse.
Taschen leiden vor allem an Griffen und Ecken. Handschweiß und Kosmetik dunkeln die Griffe ab. Reinigen Sie diese Stellen häufiger als den Rest und pflegen Sie sie danach dünn. Zur Aufbewahrung Taschen ausstopfen und in einem Stoffbeutel lagern, nicht in Plastik. In feuchten Kellern oder dichten Kartons bildet sich schnell Pilzbefall. Was dann zu tun ist, lesen Sie unter Pilzbefall an Stoffen und Leder.
Sitzmöbel in Büro, Kanzlei und Hotel
In Büros, Kanzleien und Hotels ist Leder auf Sesseln und Stühlen beliebt, weil es repräsentativ wirkt und sich gut abwischen lässt. Im Alltag unterschätzt man aber die Belastung. Armlehnen und Kopfteile bekommen dunkle, glänzende Stellen von Haut und Haaren, die Sitzfläche Falten und Knicke. In der Kanzleireinigung wischen wir Ledermöbel deshalb nicht mit demselben Tuch wie Schreibtische und nutzen einen eigenen, milden Reiniger.
In Hotelzimmern und Lobbys ist die Lage ähnlich, dazu kommen Gäste, die Getränke abstellen. Eine regelmäßige Pflege nach Plan, zum Beispiel quartalsweise, verlängert die Lebensdauer deutlich. Wie wir das organisieren, lesen Sie bei der Hotelreinigung. Für Bürostühle mit Stoffbezug gilt eine eigene Logik, die der Beitrag zu Bürostühlen mit Polster beschreibt, und für Restaurants gibt es Hinweise unter Stoffstühle in der Gastronomie.
Praxiswissen aus unseren Einsätzen
In unseren Einsätzen, etwa in Altbauwohnungen in Charlottenburg oder in Kanzleien am Kurfürstendamm, sehen wir oft zwei Extreme: Ledermöbel, die jahrelang nie gepflegt wurden und rissig sind, und solche, die mit zu viel Pflegemittel behandelt wurden und klebrig glänzen. Beides lässt sich vermeiden. Weniger ist mehr, dafür regelmäßig.
Ein Tipp für Sessel am Fenster: Direkte Sonne bleicht Leder aus und trocknet es. Ein leichter Vorhang oder ein Platz etwas abseits vom Fenster verhindert, dass eine Seite heller wird als die andere. Gleiches gilt für Heizkörper: mindestens eine Armlänge Abstand hilft.
Muffiger Geruch in einem alten Ledersessel kommt häufig aus der Polsterung, nicht vom Leder selbst. Dann lohnt ein Blick in den Beitrag zum Sofageruch. Wer Holzteile am Möbel hat, findet Hinweise zur Pflege von Holzmöbeln. Einen Überblick über unsere Einsätze im Westen der Stadt gibt die Seite zu Charlottenburg-Wilmersdorf.
Wann Fachleute gefragt sind
Leichte Verschmutzungen und die laufende Pflege schaffen Sie selbst. Auch Sitzflächen, die über Jahre speckig geworden sind, lassen sich mit Geduld und dem passenden Reiniger oft deutlich auffrischen, wenn man in mehreren kurzen Durchgängen arbeitet und zwischendurch trocknen lässt. Bei Rissen, abgeriebener Farbe, Tintenflecken oder großflächigen Wasserschäden braucht es Fachleute für Lederreparatur. Putzfirma Berlin reinigt Ledermöbel im Rahmen der Polsterreinigung mit geeigneten Mitteln und sagt Ihnen offen, wenn ein Stück in eine Spezialwerkstatt gehört.
Häufige Fragen
Woran sehe ich, wie empfindlich ein Möbel ist?
Machen Sie den Wassertropfentest an einer verdeckten Stelle. Zieht der Tropfen schnell ein und dunkelt die Stelle, ist das Material offenporig und empfindlich. Bleibt er stehen, ist die Oberfläche geschützt und leichter zu reinigen.
Darf ich Ledersitze desinfizieren?
Gelegentlich mit einem ausdrücklich für Leder freigegebenen Mittel, nicht mit alkoholhaltigen Standardprodukten. Häufige Desinfektion trocknet die Oberfläche aus. Im Alltag reicht eine gründliche Reinigung mit mildem Reiniger.
Wie oft sollte ich eine Jacke eincremen?
Meist genügen zwei Pflegerunden pro Jahr, vor und nach dem Winter. Nach einem kräftigen Regen oder wenn die Oberfläche matt und trocken wirkt, zusätzlich. Zu viel Pflegemittel macht die Oberfläche klebrig.
Was hilft gegen Risse im Sitz?
Kleine Trockenrisse lassen sich mit Pflege etwas beruhigen, verschwinden aber nicht. Tiefe Risse und abgeriebene Farbe gehören in eine Fachwerkstatt, die ausbessern und nachfärben kann.
Kann ich Kunstleder genauso behandeln?
Nur zum Teil. Kunstleder verträgt Wasser und milde Seife, braucht aber keine Pflegecreme, weil es keine Feuchtigkeit aufnimmt. Alkohol und Hitze schaden auch hier, weil die Beschichtung sonst reißt.
Über diesen Beitrag
Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.



