Symbolgrafik zum Beitrag „Hygiene bei der Pflege zuhause“ aus dem Thema Gesundheit & Hygiene

Viele Menschen in Berlin pflegen einen Angehörigen in der eigenen Wohnung – die Mutter nach dem Schlaganfall, den Partner mit fortschreitender Demenz, das Kind mit einer chronischen Erkrankung. Meist geschieht das neben Beruf und Haushalt. Da ist wenig Raum für komplizierte Hygienekonzepte. Zum Glück braucht es die auch nicht. Die eigene Wohnung ist kein Krankenhaus, und die Keime darin sind überwiegend die, mit denen alle Beteiligten ohnehin leben.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen Hygiene wichtig wird: bei offenen Wunden, Kathetern, Inkontinenz, Durchfallerkrankungen oder wenn die gepflegte Person ein geschwächtes Immunsystem hat. Dann helfen ein paar klare Regeln, die sich gut in den Alltag einbauen lassen.

Ein Hinweis vorab: Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung. Fragen zur Wundversorgung, zu Kathetern oder zu bestimmten Infektionen klären Sie bitte mit Hausarztpraxis oder ambulantem Dienst.

Die Hände sind das wichtigste Werkzeug

Die meisten Keime wandern über Hände. Deshalb steht die Händehygiene an erster Stelle – für Sie und für alle, die mithelfen.

Händewaschen mit Seife und Wasser genügt im Alltag: vor dem Essen und vor dem Zubereiten von Mahlzeiten, nach dem Toilettengang, nach dem Kontakt mit Ausscheidungen, nach dem Müll.

Händedesinfektion ist sinnvoll vor und nach Tätigkeiten, bei denen Keime übertragen werden können: vor dem Verbandwechsel, vor und nach dem Umgang mit Kathetern oder Sonden, nach dem Ausziehen von Handschuhen. Die Hände müssen trocken sein, das Mittel wird etwa eine halbe Minute eingerieben, bis es verdunstet ist – die genaue Zeit steht auf dem Produkt.

Einmalhandschuhe tragen Sie bei Kontakt mit Urin, Stuhl, Blut, Erbrochenem und Wundsekret. Nach der Tätigkeit sofort ausziehen und entsorgen, nicht damit die Türklinke oder das Telefon anfassen.

Gepflegte Haut ist übrigens Teil der Hygiene: Rissige, trockene Hände lassen sich schlechter reinigen und sind anfälliger für Keime. Eine Handcreme nach der Arbeit ist also kein Luxus. Mehr zum Hautschutz im Beitrag Handschuhe, Creme und richtige Mittel.

Reinigen genügt meistens

Im Haushalt reicht für Böden, Möbel, Türklinken und Küche in aller Regel die normale Reinigung mit Allzweck- oder Neutralreiniger. Desinfektionsmittel sind kein Ersatz für Sauberkeit und können bei unnötigem Einsatz Haut und Atemwege reizen. Das Robert Koch-Institut und andere Fachstellen raten im Privathaushalt zu gezielter statt routinemäßiger Desinfektion. Für welche Fälle sich der Griff zum Desinfektionsmittel wirklich lohnt, erläutern wir unter Biozide im Haushalt sparsam einsetzen.

Gezielt desinfiziert wird zum Beispiel:

  • wenn eine Fläche mit Blut, Stuhl, Urin oder Erbrochenem verschmutzt ist
  • bei ansteckenden Magen-Darm-Infekten, mit einem passenden Mittel nach Rücksprache mit Arztpraxis oder Dienst
  • wenn der Arzt es wegen eines besonderen Keims oder einer Immunschwäche ausdrücklich empfiehlt

Rund ums Bett

Das Bett ist Lebensmittelpunkt der gepflegten Person. Hier wird geschlafen, gegessen, gewaschen und manchmal auch ausgeschieden. Ein paar Gewohnheiten machen es hygienisch und angenehm:

  1. Matratzenschutz mit einem flüssigkeitsdichten, waschbaren Bezug verwenden. So bleibt die Matratze trocken.
  2. Bettwäsche regelmäßig wechseln, bei Verschmutzung sofort. Inkontinenzauflagen zwischen Laken und Person reduzieren den Wäscheberg.
  3. Nachttisch freihalten: Nur das Nötigste darauf, täglich abwischen. Gläser und Teller nicht stehen lassen.
  4. Bettgestell und Aufrichthilfe wöchentlich feucht reinigen. Griffe und Fernbedienung eines elektrisch verstellbaren Betts werden oft angefasst und gehören öfter dazu.
  5. Täglich lüften, am besten während die Person im Sessel sitzt oder gut zugedeckt ist.

Ist die Matratze bereits verschmutzt, hilft der Beitrag Urinflecken auf der Matratze. Bei starkem Befall kann eine professionelle Matratzenreinigung mit Sprühextraktion die Liegefläche wieder frisch machen.

Wäsche, Bad und Toilettenstuhl

Gegenstand Empfehlung Häufigkeit
Bettwäsche, Handtücher, Waschlappen bei 60 °C mit Vollwaschmittel waschen Waschlappen und Handtücher täglich wechseln, Bettwäsche mindestens wöchentlich und bei Verschmutzung
Stark verschmutzte Wäsche grob vorreinigen, getrennt sammeln, bei 60 °C oder höher waschen, wenn das Etikett es erlaubt sofort
Toilettenstuhl, Steckbecken, Urinflasche nach jeder Benutzung leeren, ausspülen, mit Reiniger säubern, bei Bedarf desinfizieren nach jedem Gebrauch
Waschschüssel reinigen, trocken lagern nach jedem Gebrauch
Toilette, Waschbecken, Armaturen normal reinigen, bei Durchfall gezielt desinfizieren täglich
Rollator, Rollstuhlgriffe, Haltegriffe feucht abwischen mehrmals pro Woche
Inkontinenzmaterial, Handschuhe im verschlossenen Beutel im Restmüll entsorgen laufend

Farbige Tücher helfen, Bereiche zu trennen: ein Tuch für die Toilette, ein anderes für Waschbecken und Ablagen, ein drittes für die Küche. Das Prinzip stellen wir im Beitrag Farbige Tücher auch zuhause vor.

Was häufig schiefgeht
  • Handschuhe werden nach dem Wechseln der Einlage anbehalten, um „schnell noch“ das Frühstück zu machen.
  • Desinfektionsmittel werden täglich auf alle Flächen gesprüht – das reizt Haut und Atemwege und ersetzt keine Reinigung.
  • Waschlappen trocknen feucht zusammengeknüllt am Beckenrand.
  • Toilettenstuhl-Eimer werden erst am Abend geleert.
  • Reinigungsmittel werden gemischt, damit sie „stärker“ wirken – dabei können gefährliche Gase entstehen.

Küche und Essen

Menschen mit geschwächter Abwehr, etwa nach einer Chemotherapie oder im hohen Alter, reagieren empfindlicher auf Keime in Lebensmitteln. Hier lohnt besondere Sorgfalt: Spültücher und Schwämme häufig wechseln oder bei 60 °C waschen, Schneidbretter für rohes Fleisch getrennt nutzen, Reste zügig kühlen und nicht tagelang aufheben. Der Kühlschrank wird regelmäßig ausgeräumt und ausgewischt. Welche Lebensmittel für eine bestimmte Person tabu sind, klären Sie mit der behandelnden Arztpraxis.

Trinkgefäße mit Schnabelaufsatz und Strohhalme aus Mehrwegmaterial haben enge Stellen, in denen sich Beläge bilden. Nehmen Sie sie nach jeder Nutzung auseinander und reinigen Sie die Einzelteile mit einer kleinen Bürste oder in der Spülmaschine, wenn der Hersteller das erlaubt.

Sich selbst nicht vergessen

Pflegende Angehörige sind oft erschöpft. Das hat auch mit Hygiene zu tun: Wer übermüdet ist, lässt Handgriffe weg. Deshalb ist es sinnvoll, Aufgaben zu verteilen. Hausarbeit, die nichts mit der direkten Versorgung zu tun hat – Böden wischen, Fenster, Bad gründlich reinigen, Wäsche –, kann jemand anderes übernehmen. Eine regelmäßige Haushaltshilfe oder eine Wohnungsreinigung schafft Zeit für das, was nur Sie tun können.

Bei anerkanntem Pflegegrad beteiligt sich die Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen an Hilfsmitteln zum Verbrauch, etwa Handschuhen, Desinfektionsmitteln und Bettschutzeinlagen. Ob und wie Leistungen für haushaltsnahe Hilfen genutzt werden können, hängt von der Anerkennung des Anbieters nach Landesrecht ab. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt beraten. Das ist keine Rechts- oder Sozialberatung.

Tipps aus dem Reinigungsalltag

Unterstützen wir Haushalte mit pflegebedürftigen Menschen, klären wir beim ersten Termin genau, welche Räume und Aufgaben zu unserem Auftrag gehören. Direkte Körperpflege und medizinische Versorgung übernimmt Putzfirma Berlin ausdrücklich nicht. Was wir beobachten:

  • Eine feste Station mit Handschuhen, Beuteln, Tüchern und Händedesinfektion auf einem Rolltisch neben dem Bett spart viele Wege.
  • Abwischbare Oberflächen am Bett, etwa eine Tischplatte statt Tischdecke, erleichtern die tägliche Reinigung erheblich.
  • Geruchsprobleme entstehen oft nicht im Zimmer, sondern im Mülleimer. Einen verschließbaren Eimer wählen und täglich leeren.
  • Stolperfallen wie lose Teppiche entfernen – das macht nicht nur das Wischen leichter, sondern schützt auch vor Stürzen.

Wenn später ein Umzug ins betreute Wohnen oder ins Heim ansteht, finden Sie Hinweise im Beitrag Umzug ins Seniorenwohnen.

Häufige Fragen

Muss ich die Wohnung desinfizieren, wenn ich einen Angehörigen versorge?

In der Regel nicht. Normale Reinigung genügt für den größten Teil der Wohnung. Desinfiziert wird gezielt bei Verunreinigungen mit Körperflüssigkeiten, bei ansteckenden Infektionen und wenn es Arzt oder ambulanter Dienst empfehlen.

Bei wie viel Grad sollte ich die Wäsche waschen?

Bettwäsche, Handtücher und Waschlappen werden üblicherweise bei 60 °C mit Vollwaschmittel gewaschen. Stark verschmutzte Wäsche sammeln Sie getrennt und waschen sie so heiß, wie das Pflegeetikett erlaubt. Bei besonderen Erregern kann ein desinfizierendes Waschmittel sinnvoll sein – fragen Sie in der Arztpraxis nach.

Wie entsorge ich Einlagen und Windeln richtig?

Im Haushalt gehören benutzte Inkontinenzprodukte in einen fest verschlossenen Beutel und dann in den Restmüll. Ein Eimer mit Deckel verhindert Gerüche. Leeren Sie ihn täglich.

Wie reinige ich einen Toilettenstuhl?

Den Eimer nach jeder Benutzung in die Toilette leeren, mit Wasser ausspülen und mit einem Sanitärreiniger säubern. Sitzfläche, Armlehnen und Griffe regelmäßig abwischen. Desinfiziert wird bei Durchfall oder auf ärztliche Empfehlung.

Kann eine Reinigungsfirma bei der häuslichen Versorgung helfen?

Ja, beim Haushalt: Böden, Küche, Bad, Fenster, Wäsche und Grundreinigungen. Körperpflege und medizinische Tätigkeiten übernehmen ambulante Dienste. Eine klare Absprache, wer was erledigt, entlastet alle Beteiligten.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.