Symbolgrafik zum Beitrag „Baustaub und Gesundheit“ aus dem Thema Schäden & Sanierung

Nicht jeder Staub ist gleich

Wer eine Wand schlitzt, alte Farbe abschleift oder Fliesen schneidet, erzeugt Baustaub – ein Gemisch aus groben und sehr feinen Teilchen. Die groben sinken schnell zu Boden und landen im Kehrblech. Die feinen schweben lange, wandern durch Türspalten und setzen sich auf Schränken, Lampen und Textilien ab. Gesundheitlich sind vor allem die kleinsten Partikel wichtig, die bis in die Lungenbläschen vordringen. Fachleute sprechen von alveolengängigem Staub.

Wie stark die Belastung ausfällt, hängt vom Material ab:

Material typische Tätigkeit warum es belastet
Beton, Naturstein, Fliesen, Mörtel Schlitzen, Bohren, Trennen enthält oft Quarz; feiner Quarzstaub kann die Lunge dauerhaft schädigen und gilt als krebserzeugend
Harthölzer wie Eiche und Buche Sägen, Schleifen von Parkett und Möbeln Hartholzstaub ist als krebserzeugend eingestuft
Gips, Spachtelmasse Schleifen von Trockenbau und gespachtelten Wänden sehr fein, reizt Atemwege und Augen, legt sich überall ab
Alte Farbschichten Abschleifen von Türen, Fenstern, Heizkörpern können je nach Alter Blei oder andere Schadstoffe enthalten
Ältere Mineralwolle Ausbau alter Dämmung Fasern reizen Haut und Atemwege, ältere Produkte gelten als bedenklich
Weichholz, MDF Zuschnitt, Schleifen reizt, bei MDF zusätzlich Bindemittelanteile

Materialien, die vor den Neunzigerjahren eingebaut wurden, können außerdem Asbest enthalten. Dann gelten ganz andere Regeln, die wir in einem eigenen Text über den Umgang mit Asbestverdacht erklären.

Warum die Belastung oft unterschätzt wird

Baustaub ist tückisch, weil man die gefährlichsten Anteile nicht sieht. Eine Wolke beim Trennen von Fliesen fällt auf, der feine Schleier, der danach stundenlang im Raum steht, dagegen kaum. Wer ohne Schutz eine Wand schleift, atmet in einer Stunde mehr Feinstaub ein als an vielen Tagen an einer stark befahrenen Straße. Hinzu kommt die Dauer: Nach einer Renovierung setzt sich der Staub in Textilien, Polstern und Ritzen ab und wird bei jedem Schritt wieder aufgewirbelt. Die Belastung endet also nicht mit dem letzten Handgriff der Handwerker, sondern erst nach einer gründlichen Reinigung.

Wer besonders empfindlich reagiert

Gesunde Erwachsene stecken eine kurze Belastung meist mit Husten und gereizten Augen weg. Deutlich vorsichtiger sollten Sie sein, wenn im Haushalt Menschen mit Asthma, chronischer Bronchitis oder Allergien leben, wenn Säuglinge, Kleinkinder oder Schwangere betroffen sind oder wenn ältere Angehörige mit Herz- oder Lungenerkrankung in der Wohnung bleiben. Auch Haustiere, vor allem Vögel und Kleintiere, reagieren empfindlich. In diesen Fällen lohnt es sich, staubintensive Arbeiten auf Tage zu legen, an denen die Betroffenen auswärts sein können.

Schutz beim Arbeiten: Reihenfolge der Maßnahmen

Die wirksamste Maske ist die, die Sie gar nicht brauchen, weil kaum Staub entsteht. Deshalb gilt eine feste Reihenfolge:

  1. Staub an der Quelle vermeiden. Nass schneiden, wo das Werkzeug es erlaubt. Schleifer, Mauernutfräsen und Bohrhämmer mit Absaugung nutzen und direkt an einen passenden Sauger anschließen.
  2. Den richtigen Sauger wählen. Baustaubsauger sind in Staubklassen eingeteilt. Klasse L genügt für einfache Stäube, für Quarz- und Holzstaub ist Klasse M vorgesehen. Ein Haushaltsstaubsauger ist dafür nicht gebaut und bläst Feinstaub durch den Filter zurück.
  3. Den Raum abgrenzen. Staubschutztür, abgeklebte Fugen und geschlossene Lüftungsöffnungen halten die Belastung im Arbeitsbereich. Wie das in einer bewohnten Wohnung praktisch aussieht, zeigt der Beitrag Renovieren im bewohnten Haus.
  4. Atemschutz tragen. Eine eng anliegende partikelfiltrierende Maske mindestens der Klasse FFP2, bei Quarz- und Hartholzstaub besser FFP3. Bart und schlecht sitzende Masken lassen seitlich Luft vorbei. OP-Masken und Stoffmasken schützen hier nicht.
  5. Augen und Haut schützen. Schutzbrille bei Überkopfarbeiten, lange Kleidung, die nach der Arbeit direkt in die Wäsche geht.
Was nicht hilft
  • Den Raum während des Schleifens lüften, indem die Tür zum Flur offen steht – der Staub zieht in die Wohnung statt nach draußen.
  • Nur die Maske tragen, während Kinder im Nebenzimmer spielen.
  • Fegen mit dem Besen: Er bringt den feinsten Anteil zurück in die Luft.
  • Mit Druckluft „ausblasen“.
  • Den Staubsaugerbeutel bis zum Rand füllen; die Saugleistung fällt, und der Filter verstopft.

Nach der Arbeit: so bekommen Sie die Räume sauber

Feiner Staub braucht Stunden, um sich abzusetzen. Wer direkt nach dem letzten Schleifgang wischt, wischt zweimal. Bewährt hat sich dieser Ablauf:

  1. Absetzen lassen. Planen Sie eine Pause bis zum nächsten Morgen ein; wer früher wischt, verteilt nur Schlamm. Fenster im Arbeitsraum dabei geöffnet, Tür zur Wohnung geschlossen.
  2. Grob aufnehmen. Schutt und Bruchstücke mit Schaufel und M-Sauger aufnehmen, nicht kehren.
  3. Von oben nach unten saugen. Decke, Lampen, Türrahmen, Heizkörper, Fensterbänke, Sockelleisten und zuletzt den Boden. Aufsätze mit weicher Bürste für Oberflächen verwenden.
  4. Nebelfeucht wischen. Alle Flächen mit gut ausgewrungenem Mikrofasertuch abwischen. Nasse Tücher verwandeln Gipsstaub in Schmierfilm.
  5. Zweiter Durchgang am Folgetag. Was nachträglich aus Ritzen und Textilien rieselt, fällt erst jetzt auf.
  6. Textilien behandeln. Vorhänge waschen, Polster absaugen oder reinigen lassen, Teppiche mehrfach saugen.
Nicht vergessen
  • Filter von Dunstabzug, Klimagerät und Lüftungsanlage prüfen und wechseln
  • Innenseiten von Schränken, deren Türen offen standen
  • Oberseiten von Türen, Bilderrahmen und Hängeschränken
  • Steckdosen und Schalter nur trocken oder nebelfeucht bei ausgeschalteter Sicherung
  • Pflanzenblätter abbrausen

Zwei Probleme, die uns ständig begegnen

Bei Endreinigungen nach Renovierungen stoßen wir am häufigsten auf zwei Probleme. Erstens wurde der Feinstaub zu früh und zu nass gewischt: Auf dunklen Fliesen und Möbelfronten bleibt ein grauer Schleier, der erst nach mehreren Durchgängen verschwindet. Zweitens sitzt der Staub in Bereichen, die niemand erwartet – in Heizkörperlamellen, hinter Sockelleisten, in den Führungen von Schiebetüren und in den Lüftungsgittern des Bads. Diese Stellen geben tage- und wochenlang Staub ab, wenn sie nicht gezielt gereinigt werden.

Ein weiterer Punkt: Ein grauer Film auf frisch verlegtem Feinsteinzeug ist oft nicht Staub, sondern Zementschleier aus Fugenmörtel. Den bekommt man mit normalem Reiniger nicht weg. Dafür sind spezielle Mittel und Erfahrung nötig, damit Fugen und Belag keinen Schaden nehmen.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Nach kleinen Arbeiten wie dem Setzen einiger Dübel reicht der eigene Sauger. Wer aber nach dem Umbau noch wochenlang graue Schlieren und Baustaub auf den Möbeln findet, hat meist an der falschen Stelle gespart. Nach Schleifarbeiten in mehreren Räumen, dem Abschleifen von Dielen oder einem Badumbau ist eine Fachreinigung meist die schnellere und gründlichere Lösung, besonders wenn empfindliche Personen einziehen sollen. Die Teams von Putzfirma Berlin arbeiten mit Saugern der passenden Staubklasse, Mikrofasersystemen und einem festen Ablauf von oben nach unten. Je nach Umfang übernehmen wir die Bauendreinigung, eine Baureinigung zwischen den Gewerken oder eine Grundreinigung bewohnter Räume. Staubige Sofas und Sessel bereiten wir mit der Polsterreinigung wieder auf.

Wer nach dem Einzug in einen Neubau mit Staub kämpft, findet ergänzende Hinweise im Beitrag Erstbezug im Neubau. Allgemeine Tipps für saubere Luft im Alltag stehen unter Feinstaub in der Stadtwohnung.

Häufige Fragen

Reicht eine FFP2-Maske beim Schleifen?

Für Gips und Weichholz in der Regel ja, wenn sie dicht sitzt. Bei quarzhaltigem Material und Hartholz sowie bei längeren Arbeiten ist FFP3 die bessere Wahl. Die Maske hilft aber nur zusammen mit Absaugung und Abschottung.

Wie lange schwebt feiner Staub in der Luft?

Die feinsten Anteile können viele Stunden in der Luft bleiben und werden bei jeder Bewegung wieder aufgewirbelt. Deshalb ist Geduld vor dem Wischen und ein zweiter Durchgang am Folgetag so wichtig.

Hilft ein Luftreiniger nach der Renovierung?

Ein Gerät mit hochwertigem Schwebstofffilter kann die Belastung in der Luft senken. Es ersetzt aber nicht die Reinigung der Flächen, auf denen sich der Staub bereits abgesetzt hat.

Darf ich in der Wohnung schlafen, während renoviert wird?

Wenn staubintensive Arbeiten in getrennten, abgeschotteten Räumen stattfinden und der Schlafraum geschlossen bleibt, ist das meist möglich. Für empfindliche Personen und Kinder ist ein Ausweichquartier während der staubigsten Tage die bessere Lösung.

Wie entsorge ich den Staub richtig?

Saugerbeutel und Filter verschlossen in einen reißfesten Sack geben. Kleine Mengen Bauschutt aus Renovierungen nehmen die Recyclinghöfe an; bei Verdacht auf Schadstoffe gilt die gesonderte Entsorgung durch Fachbetriebe.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.