
Warum die Tiere zurückkommen
Stadttauben sind ortstreu. Ein Sims, auf dem sie einmal gebrütet oder regelmäßig geruht haben, merken sie sich über lange Zeit. Die Reinigung entfernt Kot, Federn und Nistmaterial, aber nicht die Erinnerung der Vögel an einen geschützten, trockenen Platz mit Blick auf Futterquellen. Wer nach der Säuberung nichts weiter unternimmt, steht nicht selten nach einigen Wochen wieder vor derselben Verschmutzung.
Eine wirksame Taubenabwehr hat deshalb ein Ziel: den Ort für die Vögel unattraktiv zu machen – keine bequeme Landefläche, kein geschützter Winkel zum Brüten, kein Futter in der Nähe. Dabei gilt eine klare Grenze. Tauben sind Wirbeltiere und fallen unter das Tierschutzgesetz. Wer ihnen grundlos Verletzungen oder Qualen zumutet, handelt rechtswidrig. Ob die Vögel als lästig empfunden werden, spielt dafür keine Rolle.
Zuerst prüfen: sind Nester besetzt?
Vor jeder Maßnahme steht ein Blick auf den Brutplatz. Tauben brüten in Städten fast das ganze Jahr, nicht nur im Frühling. Sitzen Eier oder Jungvögel im Nest, darf der Platz nicht einfach verschlossen werden – die Jungen würden verhungern, die Altvögel versuchen verzweifelt hineinzukommen. In diesem Fall wartet man, bis die Jungen ausgeflogen sind, oder holt sich Rat bei örtlichen Tierschutzvereinen und Stadttaubeninitiativen. Erst ein leerer, gereinigter Platz wird gesichert.
In altem, trockenem Kot können Keime und Pilzsporen stecken, die beim Aufwirbeln in die Atemwege gelangen. Kot deshalb vor dem Entfernen anfeuchten, nicht trocken kehren, und mindestens Handschuhe und eine Atemschutzmaske tragen. Größere Mengen, etwa auf Dachböden oder in Lichtschächten, gehören in die Hände von Fachleuten mit Schutzausrüstung.
Welche Methoden sich bewähren
Die folgende Übersicht fasst die gängigen Varianten einer tierschutzkonformen Taubenabwehr zusammen:
| Methode | geeignet für | Vorteile | worauf zu achten ist |
|---|---|---|---|
| Spikes mit stumpfen Enden | Simse, Fensterbänke, Mauerkronen, Leuchtreklamen | unauffällig, langlebig, einfach zu montieren | lückenlos über die ganze Breite; Spitzen dürfen nicht scharf sein; laufende Kontrolle, dass sich kein Tier verfängt und kein Nistmaterial dazwischen landet |
| Netze | Balkone, Loggien, Lichtschächte, Innenhöfe | schließt ganze Bereiche zuverlässig ab | straff spannen, keine Lücken; regelmäßig auf eingeschlossene oder verfangene Vögel prüfen |
| Spanndrähte | Dachfirste, Gesimse, Geländer | kaum sichtbar | Abstand und Höhe müssen stimmen, sonst landen die Tiere zwischen den Drähten |
| Schrägen und Abdeckbleche | Fensterbänke, Vorsprünge | Tiere finden keinen Halt, keine Verletzungsgefahr | Neigung ausreichend steil wählen, Denkmalauflagen beachten |
| Verschlossene Öffnungen | Lüftungsöffnungen, Dachluken, Löcher in der Fassade | verhindert Brutplätze im Gebäude | nur verschließen, wenn sicher kein Tier mehr drin ist |
Die Wahl hängt von der Fläche ab. Auf einem Sims im dritten Stock sind Spikes oft die einfachste Lösung, für einen Balkon, auf dem sich die Tiere in Blumenkästen und hinter Möbeln einnisten, eher ein Netz. In der Praxis kombiniert man häufig: Netz vor der Loggia, Spikes auf dem Fensterbrett daneben.
Was verboten oder nutzlos ist
- Klebepasten und Leimgele auf Simsen: Die Vögel verkleben sich Füße und Gefieder, können nicht mehr fliegen und verenden. Solche Mittel gelten als tierschutzwidrig.
- Scharfkantige Metallspitzen, Glasscherben oder Stacheldraht: Sie verletzen Tiere.
- Gift, Fallen, Fangen und Töten durch Privatpersonen: verboten.
- Selbst gebaute Netze mit großen Maschen oder losen Enden: Tiere verheddern sich.
Mittel, die zwar erlaubt, aber meist wirkungslos sind, sparen Sie sich besser ebenfalls: Plastikraben und Attrappen von Greifvögeln verlieren nach wenigen Tagen ihren Schrecken, Windräder und CDs ebenso. Ultraschallgeräte haben bei Tauben nach allem, was bekannt ist, keine verlässliche Wirkung. Duftstoffe und Gele mit angeblich abschreckendem Geruch halten selten länger als bis zum nächsten Regen.
Schritt für Schritt vom verschmutzten zum geschützten Sims
- Besatz prüfen. Keine Eier, keine Jungen im Nest. Im Zweifel abwarten.
- Gründlich reinigen. Kot, Federn und Nistmaterial entfernen, Fläche nass reinigen und bei Bedarf desinfizieren. Rückstände bleiben sonst als Lockstoff zurück.
- Trocknen lassen. Spikes und Befestigungsklebstoffe halten nur auf sauberem, trockenem Untergrund.
- Montieren. Die gesamte Fläche lückenlos schützen. Tauben finden jede Lücke, die breiter als ihr Körper ist.
- Futter unterbinden. Offene Mülltonnen schließen, Essensreste auf Balkonen und im Hof entfernen, Nachbarn freundlich auf das Füttern ansprechen.
- Kontrollieren. In den ersten Wochen regelmäßig nachsehen, ob sich ein Tier verfangen hat oder ob die Vögel auf eine Ecke daneben ausweichen.
Wichtig bei Arbeiten in der Höhe: Fenstersimse oberhalb des Erdgeschosses, Dachrinnen und Gesimse sind kein Ort für Leitern auf dem Gehweg. Hier arbeiten Fachleute mit Hubarbeitsbühne oder Seilsicherung.
Ein häufiger Fall im Hinterhaus
Im Lichthof eines Altbaus sammeln sich Tauben auf den Simsen der Küchenfenster, weil unten offene Tonnen stehen und eine Nachbarin gelegentlich Brot auf den Hof wirft. Eine Mieterin im vierten Stock bringt auf eigene Faust Spikes an ihrem Fensterbrett an. Die Tiere ziehen ein Fenster weiter, zum Nachbarn. Wochen später sitzen sie wieder überall. Gelöst wird so eine Lage erst, wenn die Verwaltung den ganzen Lichthof betrachtet: Tonnen mit geschlossenen Deckeln, ein freundlicher Aushang zum Füttern, Reinigung aller Simse in einem Durchgang und danach ein durchgehender Schutz auf der betroffenen Hausseite.
Im Mietshaus: wer entscheidet was?
Fassade, Simse und Dach sind nicht Sache der Mieter; sie gehören dem Vermieter oder, in Eigentumsanlagen, allen Eigentümern gemeinsam. Bauliche Maßnahmen daran dürfen Mieter nicht eigenmächtig vornehmen. Auch Netze an Balkonen verändern oft das Erscheinungsbild und sind deshalb abstimmungsbedürftig. Der richtige Weg führt über die Hausverwaltung: Problem schildern, Fotos schicken, eine gemeinsame Lösung für die betroffene Hausseite vorschlagen. Einzelmaßnahmen an nur einem Fenster verlagern das Problem ohnehin meist zum Nachbarn.
Über rechtliche Fragen rund um Stadttauben, Fütterung und Hygiene in der Stadt informiert der Beitrag Tauben in Berlin: Rechtslage und Hygiene. Dieser Text ist keine Rechtsberatung.
Nachhaltige Lösungen für die Stadt
Taubenabwehr am einzelnen Haus verschiebt die Tiere nur. Viele Tierschutzorganisationen und Kommunen setzen deshalb auf betreute Taubenschläge. Dort finden die Vögel Futter und Nistplätze, und Eier werden gegen Attrappen getauscht. So sinkt die Zahl der Tiere langfristig ohne Tötung, und ein großer Teil des Kots landet im Schlag statt auf Fassaden. Wer als Verwaltung oder Eigentümergemeinschaft ein dauerhaftes Problem hat, kann sich bei örtlichen Initiativen nach solchen Projekten erkundigen.
Wie Reinigung und Schutz ineinandergreifen
Unsere Erfahrung aus vielen Aufträgen an Simsen und Balkonen: Reinigung und Schutz am besten in einem Durchgang geplant werden. Wenn die Arbeitsbühne ohnehin steht und die Fläche frisch gereinigt ist, lässt sich der Schutz direkt im Anschluss montieren. Umgekehrt nützen Spikes auf einem verkoteten Sims wenig: Der alte Kot bleibt, riecht und zieht Insekten an.
Unsere Teams übernehmen die Taubenkotentfernung mit passender Schutzausrüstung und reinigen Simse, Balkone und Lichtschächte gründlich, bevor Schutzsysteme angebracht werden. Wo sich Kot und Federn in Rinnen und Fallrohren sammeln, gehört eine Dachrinnenreinigung dazu, bei großflächiger Verschmutzung der Außenwand eine Fassadenreinigung. Für regelmäßige Kontrollgänge an Netzen und Spikes eignet sich unser Hausmeisterservice. Wie Sie die eigene Fensterbank im Alltag sauber halten, erklärt der Beitrag äußere Fensterbänke: Taubenkot, Rost und Grünbelag. Verwaltungen finden ergänzende Punkte in der Checkliste für die Hofbegehung.
Kurz beantwortet
Darf ich Spikes auf meiner eigenen Fensterbank anbringen?
Auf der Innenseite eigener Blumenkästen und Fensterbretter in der Regel ja, an der Fassade des Mietshauses nur mit Zustimmung von Vermieter oder Verwaltung. Die Spikes müssen stumpfe Enden haben und lückenlos montiert sein.
Wie schnell wirken die Maßnahmen?
Richtig angebracht sofort. Die Tiere versuchen in den ersten Tagen oft noch zu landen und suchen dann andere Plätze. Lücken entdecken sie schnell, deshalb ist die Kontrolle in den ersten Wochen wichtig.
Was mache ich mit einem Nest mit Eiern auf dem Balkon?
Nicht entfernen und den Zugang nicht versperren. Warten Sie, bis die Jungtiere ausgeflogen sind, oder wenden Sie sich an einen Tierschutzverein oder eine Stadttaubeninitiative, die das Vorgehen kennt.
Hilft es, einfach nicht mehr zu füttern?
Ja, das ist eine der wichtigsten Maßnahmen überhaupt. Wo es regelmäßig Futter gibt, bleiben Tauben, egal wie gut der einzelne Sims geschützt ist. Füttern verlagert und vergrößert das Problem.
Wie oft müssen Netze und Spikes kontrolliert werden?
In den ersten Wochen öfter, danach mindestens einige Male im Jahr. Dabei werden verfangene Tiere befreit, Nistmaterial entfernt und lose Befestigungen nachgezogen.
Über diesen Beitrag
Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.




