Symbolgrafik zum Beitrag „Dübellöcher, Kalk & Kratzer“ aus dem Thema Mieten & Umziehen

Bilder, Regale, Lampen, Gardinenstangen: Wer ein paar Jahre in einer Wohnung lebt, hinterlässt Spuren. Spätestens wenn die Kartons gepackt sind, wird wichtig, was davon als normale Abnutzung gilt und was als Schaden, den der Mieter beseitigen oder bezahlen muss. Das Gesetz ist hier knapp: Nach § 538 BGB hat der Mieter Veränderungen oder Verschlechterungen, die durch den vertragsgemäßen Gebrauch entstehen, nicht zu vertreten. Was „vertragsgemäß“ im Einzelfall bedeutet, ist allerdings Auslegungssache.

Wir ordnen im Folgenden die drei häufigsten Streitpunkte ein – Bohrlöcher, Kalkablagerungen und Kratzer – und zeigen, was Sie praktisch tun können. Rechtlich verbindlich ist das nicht; bei konkreten Forderungen hilft eine Mietrechtsberatung.

Löcher in der Wand: meist Wohnalltag

Gerichte sehen Dübellöcher in üblichem Umfang überwiegend als Teil des normalen Wohnens an. Wer einziehen will, muss Regale und Bilder aufhängen können. Grenzen werden dort gezogen, wo die Zahl der Löcher deutlich über das Übliche hinausgeht oder wo gebohrt wurde, wo es nicht nötig war.

Heikel sind Bohrungen in Fliesen. Hier ist die Rechtsprechung uneinheitlich. Im Bad gilt das Anbringen von Spiegel, Handtuchhalter und Ablage als üblich, doch Löcher mitten in den Fliesen statt in den Fugen werden teils als vermeidbar bewertet. Für die Zukunft gilt daher: Wenn möglich in die Fuge bohren – dort lassen sich die Löcher später fast unsichtbar schließen.

Verschließen oder offen lassen?

Ob Mieter Dübellöcher schließen müssen, ist nicht einheitlich geklärt; häufig hängt es mit der Renovierungspflicht zusammen.

Viele tun es trotzdem, weil es wenig Aufwand ist und die Übergabe entspannt. Wichtig ist, es sauber zu machen:

  1. Dübel mit einer Zange oder einem Korkenzieher herausdrehen, nicht herausreißen.
  2. Loch ausbürsten oder aussaugen, damit die Spachtelmasse hält.
  3. Spachtelmasse eindrücken, leicht überstehen lassen, trocknen lassen.
  4. Mit feinem Schleifpapier plan schleifen, Staub abwischen.
  5. Bei farbigen Wänden mit etwas passender Farbe betupfen – nicht die ganze Wand streichen.

Bei Fliesen nutzen Sie farblich passenden Fugenfüller oder Reparaturmasse aus dem Baumarkt. Weiße Zahnpasta hält nicht und fällt auf.

Kalk: Pflegefrage mit klarer Grenze

Berliner Leitungswasser ist hart. Wer ein paar Wochen nicht entkalkt, sieht weiße Ränder an Armaturen, Duschwand und Fliesen. Ein normaler, leichter Belag gehört zum Wohnen. Dicke Krusten an Duschkopf, Wasserhahn und Glaswand, die über Jahre gewachsen sind, sprechen dagegen eher für mangelnde Pflege – das kann als Verschmutzung gewertet werden, die bei der Rückgabe zu beseitigen ist. Hintergründe zum Wasser liefert der Beitrag Berliner Wasser und Kalk.

Die gute Nachricht: Kalk lässt sich in den meisten Fällen vollständig entfernen, wenn das richtige Mittel und genug Einwirkzeit zusammenkommen. Wie wir im Bad vorgehen und welche Oberflächen empfindlich sind, beschreiben wir ausführlich unter Das Bad beim Auszug.

Kratzer im Boden: Wohnspur oder Schaden?

Leichte Laufspuren im Parkett, matte Wege vom Flur zur Küche, kleine Stuhlkratzer: Das ist nach allgemeiner Auffassung Abnutzung durch Gebrauch. Anders sieht es aus bei tiefen Kerben, Brandflecken, Wasserschäden durch umgekippte Blumentöpfe oder großflächigen Kratzspuren durch fehlende Filzgleiter. Solche Schäden können zu Ersatzansprüchen führen.

Befund Einordnung (Tendenz) Was Sie tun können
wenige Dübellöcher in Wand normale Nutzung sauber verspachteln oder offen lassen
sehr viele Löcher, großflächig kann über das Übliche hinausgehen fachgerecht schließen, ggf. beraten lassen
Loch mitten in Fliese uneinheitlich Reparaturmasse, dokumentieren
leichter Kalkschleier normale Nutzung, aber Reinigung sinnvoll mit Säurereiniger entfernen
dicke Kalkkrusten eher Verschmutzung gründlich entkalken
Laufspuren im Parkett Abnutzung reinigen, ggf. pflegen
tiefe Kerben, Brandloch eher Schaden Haftpflicht prüfen, Fachbetrieb
Kratzer auf Glaskeramikfeld häufig Gebrauch, je nach Tiefe reinigen, nicht polieren mit Scheuermittel

Die Spalte „Einordnung“ zeigt nur eine Tendenz aus der Praxis. Im Streitfall entscheiden die Umstände: Wohndauer, Zustand beim Einzug, Art des Bodens.

Typische Fehler vor der Übergabe
  • Kratzer im Parkett mit Möbelpolitur „wegmachen“ – das hinterlässt glänzende, fleckige Stellen.
  • Mit Scheuermilch über Kratzer auf Glas, Edelstahl oder Kunststoff gehen und damit die Fläche matt schleifen.
  • Dübellöcher mit Silikon füllen – Silikon lässt sich nicht überstreichen.
  • Kalk auf Naturstein oder Marmor mit Säure bearbeiten; das verätzt den Stein.
  • Schäden verschweigen, die ohnehin auffallen. Offenheit wirkt meist besser als Überraschungen.

Klebehaken, Tesafilm und Kabelkanäle

Neben Bohrlöchern hinterlassen moderne Hilfsmittel ihre eigenen Spuren. Klebehaken mit Zuglasche lösen sich rückstandsfrei, wenn man die Lasche langsam parallel zur Wand zieht – nicht zu sich hin. Doppelseitiges Klebeband auf Raufaser reißt dagegen oft Papier mit; hier lieber mit einem Föhn vorsichtig anwärmen und langsam abziehen. Selbstklebende Kabelkanäle an Fußleisten lassen häufig einen grauen Kleberfilm zurück, der mit etwas Speiseöl auf einem Tuch weich wird und danach mit Spülwasser abgeht. Auf lackierten Türen und Zargen testen Sie jedes Lösemittel zuerst an einer verdeckten Stelle.

Der Weg zur sauberen Übergabe

Die meisten Spuren lassen sich in einer sinnvollen Reihenfolge abarbeiten:

  1. Alles abmontieren, was Sie angebracht haben: Haken, Lampen, Gardinenstangen, Klebehaken. Klebereste mit etwas Öl oder einem Kleberentferner lösen, danach mit Spülwasser nachwischen.
  2. Löcher schließen, solange noch keine Endreinigung stattgefunden hat – Schleifstaub verteilt sich im Raum.
  3. Entkalken in Bad und Küche mit ausreichend Einwirkzeit.
  4. Böden reinigen passend zum Material. Geöltes Parkett braucht andere Pflege als versiegeltes; Hinweise gibt der Beitrag zum Dielenboden im Altbau.
  5. Dokumentieren: Fotos von reparierten Stellen und von Spuren, die bleiben. Wie das beweissicher gelingt, zeigt der Beitrag Fotos zur Wohnungsübergabe.

Aus unseren Einsätzen

Bei Umzugsreinigungen in Altbauten in Prenzlauer Berg, Schöneberg oder Neukölln begegnen uns vor allem geölte Dielen und Parkett mit jahrzehntelanger Geschichte. Hier ist Zurückhaltung gefragt: Wir reinigen mit wenig Wasser und einem passenden Pflegemittel, damit der Boden gleichmäßig wirkt. Kratzer lassen sich so nicht beseitigen, aber optisch deutlich beruhigen. Bei stärkeren Schäden verweisen wir auf eine Parkettpflege oder einen Fachbetrieb fürs Schleifen.

Auf Glaskeramik-Kochfeldern sehen wir häufig Ringe, die wie Kratzer aussehen, in Wahrheit aber eingebrannte Kalk- oder Zuckerreste sind. Mit einem Glasschaber im flachen Winkel und einem speziellen Kochfeldreiniger verschwinden sie oft vollständig. Echte Kratzer bleiben – aber wer vorher nicht schabt, hält Rückstände womöglich für einen Schaden.

Profi-Tipp

Machen Sie beim Einzug in die nächste Wohnung sofort Nahaufnahmen von allen Böden, Fliesen und Arbeitsflächen – mit einem Maßband oder einer Münze als Größenvergleich. Beim nächsten Auszug sind genau diese Bilder Gold wert.

Wann Fachleute ins Spiel kommen

Tiefe Schäden an Parkett, Fliesen oder Arbeitsplatten gehören in die Hand von Handwerksbetrieben. Für die Reinigung davor und danach sind wir zuständig: Bei einer Umzugsreinigung entkalken wir Bad und Küche, entfernen Klebereste und reinigen Böden materialgerecht. Wenn die Wohnung vor der Abnahme noch einmal geprüft werden soll, ist die Endreinigung mit abschließender Kontrolle die passende Wahl.

Häufige Fragen

Wie viele Bohrlöcher sind normal?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist, ob die Löcher für eine übliche Einrichtung nötig waren. Ein Regal pro Wand, Bilder, Lampen und Gardinen gelten als normal; dutzende Löcher auf engem Raum eher nicht.

Muss ich Löcher in Fliesen ersetzen lassen?

Das hängt vom Einzelfall ab. Löcher für Badausstattung in üblichem Umfang werden oft als zulässig angesehen, besonders wenn in Fugen gebohrt wurde. Bei Zweifeln hilft eine Beratung, bevor Sie teure Fliesen ersetzen lassen.

Zählt Kalk als Schaden?

Kalk ist in der Regel kein Schaden, sondern Verschmutzung, die sich entfernen lässt. Dicke Ablagerungen sollten Sie vor der Übergabe beseitigen. Anders ist es, wenn Säure oder Scheuermittel die Oberfläche bereits angegriffen haben.

Kann ich Kratzer im Parkett selbst reparieren?

Kleine Kratzer lassen sich mit Reparaturwachs oder Pflegeöl kaschieren, wenn Farbe und Oberfläche passen. Bei versiegeltem Parkett kann falsches Material Flecken hinterlassen. Testen Sie an einer unauffälligen Stelle oder fragen Sie einen Fachbetrieb.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.