Symbolgrafik zum Beitrag „Vor dem Einzug desinfizieren?“ aus dem Thema Mieten & Umziehen

Der Gedanke ist nachvollziehbar: In der Wohnung haben andere Menschen gelebt, gekocht, geduscht, vielleicht Tiere gehalten. Bevor die eigenen Kinder über den Boden krabbeln oder das eigene Geschirr in die Schränke kommt, soll alles keimfrei sein. Also wird zum Desinfektionsspray gegriffen, und das großflächig.

Aus fachlicher Sicht ist das in den allermeisten Fällen nicht nötig. Das Umweltbundesamt rät seit Jahren davon ab, im normalen Haushalt routinemäßig Desinfektionsmittel einzusetzen. Eine gründliche Reinigung mit Wasser, Tensiden und mechanischer Arbeit entfernt den größten Teil der Mikroorganismen zusammen mit dem Schmutz, auf dem sie leben. Desinfektion ist ein Werkzeug für bestimmte Situationen, nicht für den Normalfall.

Reinigen und keimfrei machen: der Unterschied

Reinigen heißt: Schmutz wird gelöst und entfernt. Mit ihm verschwindet ein großer Teil der Keime, weil sie am Schmutz haften. Desinfizieren heißt: Krankheitserreger werden durch ein Mittel mit geprüfter Wirkung abgetötet oder inaktiviert – vorausgesetzt, Konzentration und Einwirkzeit stimmen und die Fläche war vorher sauber. Auf verschmutzten Flächen wirkt Desinfektion schlecht.

Im Krankenhaus, in Arztpraxen oder in Lebensmittelbetrieben gehört beides zusammen. In der Privatwohnung ist die gründliche Reinigung fast immer der entscheidende Schritt. Viele Desinfektionsmittel sind Biozide, die Haut und Atemwege reizen, Allergien fördern und in Abwasser und Umwelt gelangen können. Mehr dazu im Beitrag Biozide im Haushalt vermeiden.

In welcher Lage was angemessen ist

Situation Angemessene Maßnahme Keimabtötende Mittel?
Wohnung sauber übergeben, normale Nutzung Staub wischen, Böden wischen, Bad und Küche reinigen nein
Wohnung sichtbar verschmutzt gründliche Reinigung aller Flächen, Schränke, Geräte in der Regel nein
Vormieter mit Haustieren, Sie haben Allergie Grundreinigung, Teppiche und Polster reinigen, Filter wechseln nein – Allergene werden entfernt, nicht abgetötet
Schimmel an Wänden oder Fugen Ursache klären, fachgerechte Entfernung spezielle Verfahren, kein Spray
Schädlinge (Schaben, Bettwanzen) Schädlingsbekämpfer, danach Reinigung nicht ausreichend
stark vermüllte Wohnung, Fäkalien, Tierkadaver Fachfirma mit Schutzausrüstung ja, gezielt
Neubau, Erstbezug Baufeinreinigung, Staub entfernen nein

Für Neubauwohnungen gibt es einen eigenen Beitrag: Erstbezug im Neubau.

Die gründliche Einzugsreinigung Schritt für Schritt

Eine gute Reinigung vor dem Einräumen folgt einem klaren Plan. Idealerweise ist die Wohnung dabei noch leer.

  1. Lüften und Licht an. Alle Fenster öffnen, Lampen einsetzen oder mitbringen.
  2. Von oben beginnen. Spinnweben, Lampen, Türrahmen, Oberseiten von Schränken und Heizkörpern trocken oder nebelfeucht abstauben.
  3. Küche: Schränke innen und außen mit Spülwasser auswischen, Kühlschrank und Backofen innen reinigen, Spüle und Armatur entkalken.
  4. Bad: Toilette, Waschbecken, Dusche oder Wanne mit einem sauren Badreiniger oder WC-Reiniger behandeln, Einwirkzeit abwarten, gründlich nachspülen.
  5. Kontaktflächen: Türklinken, Lichtschalter, Fenstergriffe, Schrankgriffe mit einem Tuch und Reinigungslösung abwischen.
  6. Fenster: Rahmen, Falz und Glas.
  7. Böden: saugen, dann mit einem für den Belag passenden Reiniger wischen.
  8. Textile Beläge: Teppichboden gründlich saugen; bei Allergie oder sichtbaren Flecken eine Tiefenreinigung einplanen.

Mit Handschuhen und frischen Tüchern pro Bereich – ein Tuch für die Toilette, eines für die Küche – ist die Hygiene gut abgedeckt, ohne dass ein Tropfen Desinfektionsmittel nötig ist.

Typische Fehler bei der Hygiene-Offensive
  • Desinfektionsspray auf verschmutzte Flächen sprühen und denken, damit sei alles erledigt.
  • Chlorhaltige Mittel mit sauren Reinigern kombinieren – dabei kann giftiges Gas entstehen.
  • Alkoholhaltige Mittel großflächig in schlecht belüfteten Räumen versprühen.
  • Holz, Naturstein oder lackierte Flächen mit aggressiven Mitteln behandeln und beschädigen.
  • Desinfektionsmittel als Ersatz für das Lüften bei Schimmel verwenden.

Materialien und was sie vertragen

Wer die neue Wohnung reinigt, kennt die Oberflächen oft noch nicht. Ein vorsichtiger Umgang verhindert Schäden in den ersten Tagen:

  • Holzböden und Dielen: nur nebelfeucht wischen, mit einem Holzbodenreiniger oder etwas Seife; keine alkoholhaltigen Sprays, die das Öl oder die Versiegelung angreifen.
  • Fliesen und Feinsteinzeug: unkompliziert, Allzweckreiniger oder Neutralreiniger; Kalk im Bad mit Säurereiniger.
  • Naturstein (Fensterbänke, Treppen, Bäder in älteren Häusern): pH-neutral reinigen, keine Säure, kein Chlor.
  • Arbeitsplatten: Holz schonend, Schichtstoff mit Allzweckreiniger, Stein pH-neutral.
  • Lackierte Türen und Zargen: milde Reinigerlösung, weiches Tuch.

Aggressive Desinfektionsmittel sind gerade für empfindliche Materialien ein Risiko, ohne dass sie hygienisch viel bringen. Wer zusätzliche Informationen zu verträglichen Mitteln sucht, findet sie im Beitrag Oberflächen verträglich desinfizieren.

Nach dem Einräumen: sauber bleiben statt steril werden

Sobald die eigenen Möbel stehen, zählt die normale Routine: wöchentlich Bad und Küche reinigen, Böden saugen und wischen, Handtücher und Spüllappen regelmäßig wechseln, Kühlschrank einmal im Monat auswischen. Das hält die Wohnung hygienisch sauber, ohne dass Sie Biozide brauchen. Die Keime, die in einem normalen Haushalt vorkommen, sind überwiegend harmlos und Teil des Alltags.

Wenn es wirklich mehr braucht

Manchmal ist eine gezielte keimabtötende Behandlung tatsächlich angebracht. Dazu gehören stark vermüllte Wohnungen mit verdorbenen Lebensmitteln und Fäkalien, Wohnungen nach einem längeren unbemerkten Todesfall, Befall mit Tauben- oder Rattenkot oder Bereiche, in denen Menschen mit ansteckenden Krankheiten gepflegt wurden. Dann gehören Schutzausrüstung, geeignete Mittel nach anerkannten Listen und Fachwissen zur richtigen Anwendung dazu. Das ist keine Aufgabe für einen Samstagnachmittag mit dem Sprühfläschchen.

Haben Sie eine Wohnung in solchem Zustand übernommen, stellt sich außerdem die Frage, wer dafür aufkommt. Der Beitrag Wohnung schmutzig übernommen – was nun? gibt eine erste Orientierung; eine Rechtsberatung ersetzt er nicht. Dokumentieren Sie den Zustand in jedem Fall mit Fotos, bevor Sie etwas verändern.

Wenn Sie selbst ein Mittel einsetzen möchten

Möchten Sie an einzelnen Stellen trotzdem desinfizieren, etwa am Wickelplatz oder nach einer Krankheit im Haushalt, dann gezielt statt flächig. Wählen Sie ein Produkt mit ausgewiesener Wirksamkeit, halten Sie die Einwirkzeit laut Etikett ein und reinigen Sie die Fläche vorher. Tragen Sie Handschuhe, lüften Sie und bewahren Sie das Mittel für Kinder unerreichbar auf. Auf Sprühflaschen verzichten Sie besser; ein getränktes Tuch verteilt weniger Aerosol in der Raumluft.

Aus unserer Praxis

Bei Einzugsreinigungen fragen uns Kundinnen und Kunden häufig nach einer „Desinfektion der ganzen Wohnung“. Wir klären dann zuerst, was konkret stört. Oft ist es der Gedanke an Fremde, manchmal ein Geruch, manchmal eine Allergie. In fast allen Fällen erreichen wir mit einer gründlichen Wohnungsreinigung und gegebenenfalls einer Teppichreinigung mehr als mit großflächigem Sprühen. Wo eine gezielte Behandlung fachlich angezeigt ist – etwa bei stark kontaminierten Bereichen –, bietet Putzfirma Berlin eine Desinfektionsreinigung mit geeigneten Mitteln an. Bei stark vermüllten Wohnungen ist die Messie-Reinigung der passende Rahmen.

Profi-Tipp

Wenn Sie kleine Kinder haben oder empfindlich auf Duftstoffe reagieren, wählen Sie für die Einzugsreinigung parfümfreie, milde Reiniger. Welche Produkte sich eignen, beschreibt der Beitrag Kindersichere Putzmittel. Eine gut gelüftete, gründlich gereinigte Wohnung ist für Kinder gesünder als eine, die nach Chemie riecht.

Häufige Fragen

Sollte ich die Toilette in der neuen Wohnung keimfrei machen?

Eine gründliche Reinigung mit WC-Reiniger, Bürste und separaten Tüchern reicht in aller Regel aus. Sichtbare Ablagerungen und Urinstein werden dabei entfernt. Wer ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit braucht, kann die Brille nach der Reinigung einmalig mit einem geeigneten Mittel abwischen – nötig ist das nicht.

Hilft ein Dampfreiniger gegen Keime?

Heißer Dampf kann auf geeigneten Flächen Keime reduzieren und Schmutz lösen. Er ersetzt aber keine gründliche Reinigung und ist nicht für jede Oberfläche geeignet.

Was mache ich bei Tierhaaren des Vormieters?

Tierhaare und Hautschuppen werden durch gründliches Saugen mit einem guten Filter, feuchtes Wischen und die Reinigung von Teppichen und Polstern entfernt. Desinfektionsmittel helfen hier nicht, weil Allergene keine Keime sind.

Müssen Schränke vor dem Einräumen keimfrei sein?

Nein. Auswischen mit Spülwasser und gründliches Trocknen reicht aus. Wichtig ist, dass keine Feuchtigkeit in geschlossenen Schränken zurückbleibt.

Wann sollte ich eine Fachfirma hinzuziehen?

Bei Schimmel, Schädlingsbefall, starker Vermüllung, Fäkalien oder unklaren Gerüchen, die sich durch Reinigung nicht beseitigen lassen. In diesen Fällen geht es um mehr als Sauberkeit – oft auch um Ursachen, die geklärt werden müssen.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.