Symbolgrafik zum Beitrag „Nachmieter-Besichtigung“ aus dem Thema Mieten & Umziehen

Nach der Kündigung will der Vermieter die Wohnung neu vermieten, und dafür müssen Interessenten sie sehen. Nach verbreiteter Rechtsprechung müssen Mieter solche Besichtigungen in einem zumutbaren Rahmen ermöglichen: nach rechtzeitiger Ankündigung, zu üblichen Tageszeiten und in einer vernünftigen Häufigkeit. Die Details regeln manchmal Mietvertrag oder Absprache; im Streitfall gibt ein Mieterverein Auskunft – dieser Text ist keine Rechtsberatung.

Eine Pflicht, die Wohnung für Besucher besonders herzurichten, gibt es nicht. Trotzdem lohnt sich ein bisschen Vorbereitung. Wer einen Nachmieter vorschlagen möchte oder mit dem Vermieter über einen früheren Auszug verhandelt, profitiert davon, wenn sich schnell jemand findet. Und ganz praktisch: Fremde Menschen in einer chaotischen Wohnung sind für die meisten unangenehmer als eine Viertelstunde Aufräumen vorher.

Was Besucher tatsächlich wahrnehmen

Interessenten schauen auf Grundriss, Licht, Zustand von Bad und Küche, Fenster, Böden und Geruch. Die Möbel der Vormieter blenden die meisten gedanklich aus – nicht aber Dreck, Gerüche und Unordnung, die den Raum kleiner wirken lassen. Deshalb ist die Reihenfolge der Vorbereitung klar: erst Luft und Licht, dann freie Flächen, dann gezielte Reinigung dort, wo der Blick hinfällt.

Die 45-Minuten-Runde vor dem Termin

Für einen normalen Besichtigungstermin reicht eine konzentrierte Dreiviertelstunde, wenn die Wohnung im Alltag halbwegs in Ordnung ist:

  1. Fenster auf (5 Minuten, parallel zum Rest). Querlüften nimmt Koch-, Tier- und Wäschegeruch mit.
  2. Flur freiräumen (5 Minuten). Schuhe, Taschen, Kartons zur Seite. Der erste Eindruck entsteht an der Wohnungstür.
  3. Flächen leeren (10 Minuten). Küchenarbeitsplatte, Esstisch, Waschtisch: alles, was nicht gebraucht wird, in einen Korb und in einen Schrank.
  4. Bad in Form bringen (10 Minuten). Toilette, Waschbecken, Spiegel, Handtücher ordentlich aufhängen, Müll leeren.
  5. Küche (10 Minuten). Spüle leer, Herd abwischen, Mülleimer leeren, Geschirrtuch frisch.
  6. Licht (5 Minuten). Alle Lampen an, Vorhänge auf, Rollläden hoch.

Eine gründliche Reinigung ist damit nicht gemeint. Wer die Wohnung ohnehin regelmäßig putzt, braucht vor Besichtigungen nur diesen kurzen Durchgang.

Übersicht: was vor den Terminen am meisten bringt

Maßnahme Aufwand Wirkung auf Besucher
lüften gering sehr hoch – Geruch prägt den ersten Eindruck
Licht an, Vorhänge auf gering hoch, besonders in Hinterhofwohnungen
Flur und Eingang frei gering hoch
Bad sauber, Spiegel streifenfrei mittel hoch
Fenster geputzt mittel bis hoch mittel, bei trüben Scheiben hoch
Böden gesaugt mittel mittel
Kartons stapeln statt verteilen gering mittel
Schränke innen aufgeräumt hoch gering – selten geöffnet

Gerüche: das unterschätzte Thema

Nichts schreckt Interessenten so zuverlässig ab wie ein intensiver Geruch – nach Rauch, Tieren, Essen oder feuchter Wäsche. Die Nase gewöhnt sich an die eigene Wohnung; Sie selbst merken es oft nicht mehr. Bitten Sie eine Freundin oder einen Nachbarn um ein ehrliches Urteil.

Duftsprays und Kerzen überdecken Gerüche nur, und gemischt mit dem Grundgeruch wirkt das oft schlimmer. Besser: Textilien waschen, Polster lüften, Mülleimer reinigen, Abflüsse spülen, Katzentoilette frisch machen. Tipps dazu finden Sie in den Beiträgen Gerüche aus dem Sofa entfernen und Raumluft verbessern. Bei starkem Nikotingeruch hilft der Beitrag Zigarettenrauch in der Wohnung.

Was Sie besser vermeiden
  • Private Unterlagen, Post, Medikamente und Wertsachen offen liegen lassen. Räumen Sie sie weg – Sie wissen nicht, wer kommt.
  • Wäscheständer mitten im Wohnzimmer.
  • Tiere frei laufen lassen, wenn Besucher Angst oder Allergien haben könnten.
  • Gleich mehrere Duftquellen gleichzeitig.
  • Hektisch am Tag des Termins Fenster putzen – nasse Scheiben mit Streifen wirken schlechter als ungeputzte.

Küche und Bad: die kritischen Räume

Bad und Küche entscheiden bei Besichtigungen über den Gesamteindruck, weil Interessenten dort ganz genau hinschauen. Im Bad zählen ein sauberer Spiegel, eine kalkfreie Armatur und ein frischer Duft ohne Parfümwolke. Handtücher einheitlich aufhängen, Kosmetik in Schränke oder einen Korb. Die Duschwand kurz mit dem Abzieher trocknen, damit keine Tropfenflecken bleiben. Wie ein Spiegel ohne Schlieren gelingt, zeigt der Beitrag Spiegel streifenfrei putzen.

In der Küche sollte die Spüle leer und trocken sein. Der Herd wird abgewischt, die Arbeitsplatte freigeräumt. Wer kurz vor dem Termin gekocht hat, lüftet gründlich und bringt den Müll hinaus. Kühlschrank und Schränke öffnet kaum jemand; wenn doch, genügt ein aufgeräumter Eindruck.

Kartons, Möbel, halb gepackte Räume

Häufig fällt die Besichtigungsphase in die Zeit, in der schon gepackt wird. Kartons sind kein Problem, solange sie ordentlich gestapelt an einer Wand stehen und Wege frei bleiben. Ein Raum voller offener Kisten wirkt dagegen chaotisch und kleiner, als er ist. Packen Sie deshalb raumweise: erst das Arbeitszimmer oder die Abstellkammer, dann die Wohnräume. Nicht mehr benötigte Möbel geben Sie nach Möglichkeit schon vor den Terminen ab – leere Wände zeigen die Größe des Zimmers.

Interessenten fragen gern nach Dingen, die sie übernehmen könnten, zum Beispiel Einbauschränke, Lampen oder eine eigene Küche. Klären Sie vorher mit dem Vermieter, ob Übernahmen erwünscht sind, und legen Sie sich für Ihre Einrichtung einen realistischen Preis zurecht. Vereinbarungen über Ablösen sollten schriftlich festgehalten werden.

Wenn Termine sich häufen

In begehrten Berliner Lagen, etwa rund um den Kollwitzplatz, in Kreuzberg oder im Schillerkiez in Neukölln, kommen manchmal viele Interessenten in kurzer Zeit. Das zehrt. Sprechen Sie mit dem Vermieter über gebündelte Termine, zum Beispiel ein oder zwei feste Zeitfenster pro Woche. Das ist für alle Seiten planbarer. Lassen Sie sich die Termine schriftlich bestätigen und klären Sie, ob Sie anwesend sein müssen oder ob jemand anderes mit Schlüssel kommt.

Sind Sie bei einem Termin nicht zu Hause, legen Sie fest, welche Räume gezeigt werden dürfen, und schließen Sie ein Zimmer mit privaten Unterlagen gegebenenfalls ab – in Absprache mit dem Vermieter. Lassen Sie sich nach dem Termin kurz berichten, wer da war. Ein Zettel mit Hinweisen zur Heizung, zum Keller oder zur Nachbarschaft kann Interessenten helfen und erspart Ihnen Rückfragen am Telefon.

Für diese Wochen hilft ein kleines Ritual: Jeden Abend fünf Minuten für Flächen, Spüle und Flur. Dann ist die Wohnung jederzeit in einem Zustand, den Sie ohne Stress zeigen können.

Der Zusammenhang mit dem Auszug

Die Besichtigungsphase ist ein guter Zeitpunkt, um erste Schritte für die Übergabe zu erledigen: Keller räumen, überflüssige Möbel loswerden, Kalk im Bad angehen. Jede freie Fläche wirkt größer, und am Ende ist weniger zu tun. Wie das in einen Gesamtplan passt, zeigt der Umzugsplan. Kellerarbeit ist im Beitrag Keller und Dachboden räumen beschrieben.

Aus unseren Einsätzen

Ein häufiger Auftrag vor Besichtigungen ist eine einmalige Fensterreinigung. Trübe Scheiben in Altbauwohnungen mit Kastenfenstern schlucken sichtbar Licht, und genau das fällt Interessenten auf. Mit sauberem Glas wirken Räume heller und größer – der Effekt ist in Hinterhofwohnungen besonders deutlich.

Wann Unterstützung sinnvoll ist

Wenn Sie beruflich eingespannt sind oder die Besichtigungsphase mit Packen zusammenfällt, kann eine einmalige Wohnungsreinigung den Druck nehmen. Eine Fensterreinigung bringt vor Terminen oft den größten sichtbaren Unterschied. Für regelmäßige Unterstützung in den letzten Wochen kommt eine Haushaltshilfe in Frage. Bei Putzfirma Berlin vereinbaren wir solche Termine je nach Verfügbarkeit auch kurzfristig.

Kurz beantwortet

Muss ich Interessenten in die Wohnung lassen?

In einem zumutbaren Rahmen, nach Ankündigung und zu üblichen Zeiten, in der Regel ja. Wie oft und wie kurzfristig, hängt von den Umständen ab. Bei Unstimmigkeiten hilft eine Beratung durch den Mieterverein.

Muss die Wohnung dafür geputzt sein?

Nein, eine Pflicht zum Putzen für Besucher gibt es nicht. Ein ordentlicher Eindruck erleichtert aber die Weitervermietung und kann Ihnen helfen, wenn Sie früher aus dem Vertrag möchten.

Darf ich Fotos der Wohnung für die Anzeige verweigern?

Fotos der bewohnten Wohnung berühren Ihre Privatsphäre. Ob und in welchem Umfang sie gemacht werden dürfen, sollten Sie vorher mit dem Vermieter klären. Räumen Sie persönliche Gegenstände weg, wenn Sie zustimmen.

Kann ich selbst jemanden für die Wohnung vorschlagen?

Ein allgemeiner Anspruch darauf, durch einen Nachmieter vorzeitig aus dem Vertrag zu kommen, besteht nicht. Möglich ist es, wenn der Vertrag eine Nachmieterklausel enthält oder der Vermieter zustimmt. Eine vorzeigbare Wohnung hilft in beiden Fällen.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der täglichen Praxis unserer Reinigungsteams in Berlin. Hinweise zu Recht, Steuern oder Gesundheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine persönliche Beratung durch eine Fachstelle.